Leben verleihen
Ewald Palmetshofer, 1978 in Linz geboren, wächst im Mühlviertel, genauer in Mönchdorf, in Oberösterreich auf. Nach Schule und Zivildienst geht er nach Wien, um zunächst Theaterwissenschaft und Germanistik, dann Theologie, Philosophie und Psychologie auf Lehramt zu studieren.
Ich habe mich länger gefragt, ob ich überhaupt diese wenigen biografischen Daten dieser Laudatio beifügen sollte, weil – das kennen wir alle von uns, wann beginnt ein eigenes, ein künstlerisches Leben? Und außer der charmanten Kadenz seines oberösterreichisch gefärbten Zungenschlags gibt es für mich wenig an Ewald Palmetshofer, das an seine frühe Heimat erinnert.
Aber gerade der Dialekt, die sanft gefärbte Aussprache, ist in Palmetshofers Fall nicht nur Markenzeichen, sondern ein Herkunftssiegel, dem zu entgehen in Österreich schwer fällt. Es ist ein tatsächlich österreichisches Phänomen: sich Heimat samt Dialekt vom Leib zu schreiben, um in einer eigenen Sprache Autonomie zu suchen. Das Dichten ist daher auch als eine Loslösung von der lokalen Gebundenheit, als Emanzipation zu kennzeichnen. Darum ist das Ringen um Sprache und das Gestalten der Sprache in Österreich oft so radikal.
Ewald ist, und auch das soll ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Andreas Beck
Nach 23 Stunden und 45 Minuten stehen alle auf im Saal und heben die Arme. Die Beats sprechen den Befehl aus, und der goldene Wabbelkörper von Dionysos schüttelt auf der Bühne, was er hat, und das ist viel. Als auch noch der Bass droppt, wie man in der Clubmusik den Moment nennt, wenn nach einer Basspause die Tiefen wieder einfahren, ist es um die Menge geschehen....
Das Campo Gent hat sich ganz unauffällig in die erste Reihe internationaler Theater gespielt. Ein Report
Jonas Hassen Khemiri ist ein grundoptimistischer Autor, der sich gerne mit sehr hoffnungsfrohen Figuren umgibt. Auch sein Blick auf die Mikroökonomie einer neoliberalen Gesellschaft sucht immer zuverlässig die beste aller Welten darin. Das Ergebnis heißt...
Das Schauspiel war in der Ära von Georges Delnon die drittwichtigste Sparte am Theater Basel. Der Intendant gab Publikum und Belegschaft neun Jahre Zeit, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Man gewöhnte sich aber schlecht daran. Ein Dreispartenhaus, dazu das größte der Schweiz, dessen Schauspiel zur deutschsprachigen Bühnenkunst wenig Bedeutendes beizutragen hat,...
