Kaiserslautern: Fish Face for Future
Wenn Brandenburg zum Sehnsuchtsort werden kann, dann muss der Alltag traurig aussehen. So wie der von E. Er verlässt nie seine kleine Wohnung. Beziehungen überfordern ihn. Er spricht ausschließlich mit einem Fisch, der im Glas seine Runden dreht. Draußen tobt derweil die Klimakatastrophe, irgendwann schwappen sogar Wellen an E.s Fenster. Die lange geplante Brandenburg-Reise dürfte sich damit erledigt haben. Das Bundesland seiner Träume wird weitgehend unter Wasser liegen, sobald die Polkappen abgeschmolzen sind. So weit, so trist.
Deprivation und Depression stehen aber in Nele Stuhlers mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2018 ausgezeichnetem Drama «Fische» nicht im Zentrum. Sie sind eher der Normalzustand, Symptome einer gesellschaftsunfähigen Gesellschaft. In diese ödeste aller möglichen Welten setzt sie zwei seltsame isolierte Wesen, E. und Fisch, und zwischen die beiden eine seltsam normale, krisenanfällige, beglückende, anstrengende Liebe.
Marie Scharf kann ganz unglaublich fischig gucken in der Uraufführung, die Christopher Haninger in Kaiserslautern inszeniert. Sie tut das nicht etwa, um Fischs Fischidentität zu unterstreichen. Sie tut es ausschließlich, um E. dessen ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Cornelia Fiedler
In einem Fotointerview nach ihrer Idealvorstellung vom Gesicht eines Theaterzuschauers gefragt, antwortete Susanne Kennedy kürzlich mit geschlossenen Augen und einem Ausdruck entrückt-entzückter Trance. Überraschend, aber auch wieder bezeichnend, arbeitet Kennedy in letzter Zeit doch irgendwie zweigleisig: an hochartifiziell konstruierten multimedialen Bildwelten...
Figuren:
Der Architekt
Der Kellner
Er
Die Mitte der Gesellschaft (Drei Damen mit Haltung)
Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte
und
Der ganze Rest
Der ganze Rest kann live oder auch nur im Video-Format auftreten. Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte wäre in letzterem Fall nur Off-Stimme im Video. Die physische Anwesenheit der betreffenden...
Er war über 30 Jahre die stärkste Stimme der Schweizer Theaterkritik. Er liebte Auftritte, auch die eigenen. Zuletzt am Telefon war seine Stimme so schwach, dass es weh tat. Am Ende soll er nichts mehr gegessen, nichts getrunken haben und auf nichts mehr reagiert, auch nicht auf Musik. Gelernter Gärtner, Theaterkritiker, Feuilletonchef der «Basler Zeitung» von 1982...
