Elfriede und die sieben Zwerge

Elfriede Jelinek «Schatten (Eurydike spricht)»

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Das typische Jelinek-Stück ist erstens eine überlange Textwüste, enthält zweitens keine Dialoge, bringt drittens einen klassischen Stoff mit einem aktuellen Thema zusammen und enthält viertens auch noch ein Selbstporträt der Autorin.

«Schatten (Eurydike spricht)» ist ein typisches Jelinek-Stück. In einem riesigen Monolog schließt Jelinek den antiken Orpheus-Mythos mit dem Star-Kult von heute kurz. Orpheus, der hier immer nur «der Sänger» genannt wird, ist Popstar. Eurydike war Autorin und Fashion Victim. Jetzt ist sie buchstäblich nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Sie ist in der Unterwelt und eigentlich will sie gar nicht mehr zurück. Sie ätzt über die jungen weiblichen Fans ihres Mannes («furchtbare Schreie aus ihren dummen, nach Zahnpasta riechenden Fischmäulern») und relativiert dessen Trauer. Der Narzisst habe sich bloß sein Objekt – also sie – «zu hoch gehängt». Fazit: «Der Abschied von meinen Kleidern ist fast schlimmer als der vom Sänger.»

Elfriede Jelinek hat «Schatten» für ein spartenübergreifendes Orpheus-Projekt der Philharmonie Essen geschrieben, wo der Text voriges Jahr als szenische Lesung mit Johanna Wokalek uraufgeführt wurde (s. TH 10/12). Im Akademietheater fand ...

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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Wien Akademietheater, Seite 51
von Wolfgang Kralicek

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