Die Generalin
Allüberall steht er auf dem Spielplan, Shakespeares venezianischer Mohr. Das Stück über die Eliminierung des Fremden passt scheinbar gut zur Aufregung um dänische Mohammed-Karikaturen, eine Regensburger Papstrede und, jüngst, zur LKA-Warnung, die in Berlin zur Absetzung der Oper «Idomeneo» führte. Die Angst, sich unbeliebt zu machen bei den gefährlichen muslimischen Brüdern, geht um. Erst die Angst, dann womöglich die Gegenwehr? Werden wir ein Volk von Jagos? Türken raus?
Ein Kurzschluss.
Othello ist bei näherer Betrachtung das genaue Gegenteil eines gewalttätigen Fremden – bestens assimiliert, ein Konvertit, der Karriere gemacht hat, der Colin Powell des Welttheaters. Jagos Vernichtungsfeldzug gegen seinen Vorgesetzten speist sich aus Rassismus so wenig wie aus Angst, sondern aus der blanken Lust eines Zurückgesetzten an der Intrige. Das politische Aktualisierungspotenzial des Stückes hält sich in Grenzen; Lars-Ole Walburg lässt sich in Hannover denn auch auf aktuelle Debatten kaum ein. Das Drama ist ihm Spielmaterial und sonst gar nichts.
Sein Spielmacher ist ein frei hinzuerfundener Engel. Jovial begrüßt der halbnackte fette junge Mann mit hüftlangem Strähnenhaar und weißen ...
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Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eisernen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des...
