Der Sinn hat Schweigepflicht
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze liegt in greifbarer Nähe.
Bei so viel Modernisierungsoptimismus und Internationalität stellt sich natürlich die Frage: Was wird aus dem versifften Glamour, für den die Donaumetropole schließlich berühmt ist, dem legendären Wiener Schlendrian? Aus den abgerockten Beisln, den unfreundlichen Kellnern und überhaupt der Trinkkultur, die Komatrinken bereits zelebrierte, als es noch gar kein Wort dafür gab?
Pippi im Tschocherl-Land
Geht es nach der 31-jährigen Wiener Autorin und Zeichnerin Stefanie Sargnagel, dann braucht die Stadt keine Hipster-Lokale, in denen grüne Smoothies in Marmeladengläsern serviert werden, Dosenbier hat auch seinen Charme. Und überhaupt sollten sich Frauen nicht dauernd darüber Gedanken machen, wie sie ihren Body upgraden können. Sargnagel, die mit wirklichem Namen Sprengnagel heißt, ist das Postergirl ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Karin Cerny
The Artist is present» hieß die mehrere hundert Stunden dauernde Performance, mit der Marina Abramovic 2010 halb New York ins MOMA lockte. Doch nicht nur dort, an einem Tisch und auf zwei Stühlen, wo sich die Künstlerin und wechselnde Besucher*innen vor Publikum und Kameras gegenübersaßen und in die Augen blickten, war Abramovic anwesend: Auch in Werbespots...
Premieren im Juni 2017
Aachen,
Grenzlandtheater
1. Coble, Herbstrasen (DSE)
R. Uwe Brandt
Aachen, Theater
2. Etchells, Quizoola!
R. Marion Schneider-Bast
10. Houellebecq, Unterwerfung
R. Ewa Teilmans
Aalen, Theater der Stadt
30. Projekt, Molière
R. Tonio Kleinknecht
Baden-Baden, Theater
9. nach Beaumarchais,
Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit
R. Thomas Höhne
25. Miller,...
Wie die Zeit doch selbst den Klang der Namen verändert! Als das Stück «A bright room called day» 1985 in New York uraufgeführt wurde, da klang Kushner, der Name des Autors, politisch, aufgeklärt, demokratisch. Man dachte an New York, jüdisch-intellektuelles Milieu, Widerstand gegen die Regierungsmacht. Wenn nun, dreißig Jahre später, das Stück unter dem...
