Seid kauzig

Erpulat/Trachternach «Clash» (Deutsches Theater Kammerspiele), Stemann/Kürstner/Vogel/von Blomberg «Aufhören! Schluss jetzt! Lauter! 12 letzte Lieder» (Deutsches Theater)

Theater heute - Logo

Es gibt nichts Schöneres als junge Menschen, die voller Enthusiasmus und Energie Theater spielen. Aber unter uns: Wenn es nicht gerade die eigenen Kinder sind, die sich auf Schul- oder Kitabühnen austoben, ist diese Behauptung reine Heuchelei. Ein gutes Beispiel für die Wirkungsgrenzen von Jugendfrische und Kreativität kann man derzeit in den Kammerspielen des Deutschen Theaters bestaunen.

Dort hat Nurkan Erpulat, der Überraschungs-Regie­star der Saison («Verrücktes Blut»), für «Clash» die derzeit erforderlichen Erfolgszutaten miteinander vermengt: ein interkulturelles Ensemble aus
jugendlichen Berlinern und eine Stückentwicklung, die sich anhand des Science-Fiction-
Klassikers «Planet der Affen» satirisch mit Thilo Sarrazins nassforscher Integrationsforderung auseinandersetzt.

Dazu teilen die 17 Amateure sich auf in «Helden» und «Primitive» (Hartz-IV-Empfänger in Trainingsanzügen aus lila Ballonseide), die sich nach einer Notlandung in die vermeintlich niedrigere Zivilisation der Affen integrieren müssen. Letztere verehren Guru Sarrazin – eine gelegentlich vom Bühnenboden schwebende Schnauzbartpuppe – und wenden seine Geheim­lehre (erfolgreich) auf die Mensch­heit an. Vor dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Neue Stücke

Wie soll man leben? In Thomas Freyers neuem Stück «Das halbe Meer» versucht ein Aussteigertrüpplein auf einer abgelegenen Insel einen der Gemeinschaft verpflichteten Gesellschaftsentwurf, Tilmann Köhler inszeniert in Dresden. Juli Zeh sperrt für ihren Feldversuch «203» in Düsseldorf vier Menschen in ein Zimmer und lässt sie rundum versorgen, überwacht von...

Tragödie auf der Couch

Die Herren stehen etwas verschüchtert im Halbkreis und blicken freundlich betreten nach allen Seiten. Kein Wunder, schließlich sind die meisten von ihnen zwar bühnenerfahren, aber keine Schauspieler: nämlich die netten Jungs der Hamburger Nette-Jungs-Band Kante. Jetzt dürfen sie in Friederike Hellers «Antigone» zwar ihre Instrumente mitbringen und wie im...

Achtung, Rezeptionskontrolle

Es waren vergleichsweise idyllische Zeiten, als Festivalmacher wie kleine James Cooks durch die Welt reisten und interessante Thea­terkompagnien entdeckten, als wären es unbekannte Inselgruppen. Man packte eine New Yorker Off-Off-Produktion ins Körbchen, ließ sich vom Direktor eines argentinischen Hinterhoftheaters unter den Tisch saufen und steckte, vom Kollegen...