Der Himmel leer

Ewald Palmetshofer «Die Verlorenen»

Theater heute - Logo

Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden.

Bereits im Prolog, in dem die Polyphonie «einzelner», «einiger», «einiger ande­rer», «einiger und einiger anderer» sich zu einem gemeinsamen Gebet «aller» formt – einem Vaterunser ex negativo –, wird allgemein postuliert, was den individuellen Leidensweg der Figuren bestimmen wird: «unumstößlich / ohne Rat und ohne Hilfe eingeschlossen / alles schon beschlossen / drüben: keine andre Welt / kein Drüben, Draußen, Droben / Jenseits nicht / gespielt sind alle Karten schon / es folgt auf dies / dies alles / diese / keine nächste / nächste Runde / die Partie ist einzig / wiederholt sich nicht / für alle / gibt es nicht genug / was kümmert es das Spiel / wer es verliert.» 

Die Parameter sind festgelegt, die Regeln definiert, die Spieler*innen räumen nach dem Prolog das Feld und verwandeln sich mit der ersten Szene in Figuren. Im Zentrum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 173
von Constanze Kargl

Weitere Beiträge
Der Pfahl in Draculas Brust

Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig....

Auf der Suche nach dem Unfindbaren

In gewisser Weise bin ich in einem gigantischen Kunstwerk groß geworden: in einer alten Mühle, mitten in der Natur, direkt am Fluss mit einem riesigen Garten, einem Teich, einem Atelier, einem Puppentheater und viel, viel Kunst. 

Dies war ein perfektes «Biotop für Menschen», das von meinem Vater, Eugen Mahler, einem leidenschaftlichen Naturforscher und Künstler,...

Globaler Realismus, globale Kritik

Seit dem Frühjahr drehen wir in Süditalien, nahe Matera, mit ehemaligen Darstellern der Jesus-Filme von Pasolini und Mel Gibson sowie einem Cast aus italienischen Kleinbauern und afrikanischen Plantagenarbeitern ein «Neues Evangelium». In der Region um Matera, europäische Kulturhauptstadt 2019 und Drehort des «Evangeliums nach Matthäus» und der «Passion Christi»,...