Das Leben für die Kunst
Ab 1. Januar wird im deutschen Theater nichts mehr sein, wie es war. Die einschneidendste Maßnahme seit der Erfindung des Regietheaters bedroht viele Bühnen in ihrer Substanz: ein allgemeines Gaststätten-Rauchverbot wird die eigentlichen Denk- und Kommunikationszentralen der Häuser lähmen. Was soll der Künstler noch in der Kantine, wenn er dort keine Zigarette anfassen darf? Natürlich – Rauchen gefährdet die Gesundheit, steigert das Krebsrisiko, verengt die Herzkranzgefäße, lässt die Haut schneller altern und wirft Falten ins Gesicht. All das ist schon seit längerem bekannt.
Trotzdem haben Generationen von Schauspielern, Dramaturgen, Regisseuren und Technikern keine Gefahr gescheut und bedenkenlos ihr Leben und ihre Schönheit in die Waagschale geworfen auf der Suche nach Ideen, Entwürfen, Visionen.
Wie soll man vor der Probe ohne den nötigen blauen Dunst einen klaren Gedanken fassen? Wie eine Hauptprobe ohne Zigarette überstehen? Wie die vielen Stunden nervenraubenden Herumsitzens bis zum nächsten Auftritt überdauern? Und wie glaubt der Gesetzgeber eigentlich, dass künstlerische Konzepte entstehen? Bei Mineralwasser? Im Spaßbad?? Unter Joggern???
An die Theatergeschichte darf man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.
Falls man jedoch die...
Weihnachten ist das Fest der Familie. Das gilt auch für englische Königsfamilien. Henry II. zum Beispiel lässt für die Weihnachtsfeiertage des Jahres 1183 sogar seine seit zehn Jahren eingesperrte Gattin Eleanor frei – man will ja wenigstens einmal im Jahr in Ruhe streiten können. Bei Königs geht’s nämlich auch nicht anders zu als in einer ganz normalen Familie:...
«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis...
