Narrativ der Ehrlichkeit
Eine neue deutsche Leitkultur, das klingt aber therapeutisch! Als könnte man etwas erfinden, das alle Probleme löst. Und solange man es nicht gefunden hat, ist es auch in Ordnung, dass die Probleme da sind. Es kann ja gar nicht anders sein, ohne die größte und beste Erfindung. Eine Art gesellschaftlicher Weltformel. Und klar, das Wort kann gar nicht anders als auch ein bisschen verdächtig sein. Ein bisschen nach Herrschaft klingen, nach Richtschnur, nach richtig und falsch, gut und böse, Freund und Feind, wir und die. Die einen sehen es als Einladung, die anderen als Befehl.
Streiten wir uns also wie die Kinder um einen Begriff? Vielleicht ist bei denen, die eine Leitkultur fordern, insgeheim die Sehnsucht da, es gäbe eine.
Ein wenig romantisch, wie man schon mal Kultur gegen Zivilisation ausspielte, Deutschland gegen Frankreich, Wagner gegen Dior. Weil man selbst sich so unwohl fühlte in der Moderne, suchte man nach dem Überzeitlichen, das für alle gilt. Und natürlich vor allem nach dem, was man selber hat und was einen ein wenig besser macht als die anderen. Was soll das aber für eine Leitkultur sein, seien wir ehrlich, nach so vielen Jahren eines weißen, männlichen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (1), Seite 20
von Anna Bergmann
Mitten in der Wüste von Nevada treffen vier junge Menschen an einer Stelle aufeinander, die man die «Quellen der Unsterblichkeit» nennt. So heißt es. Es ist ein Loch in der Erde, ein tiefer Spalt, der alle Größen des Silicon Valley zu ihren bahnbrechenden Ideen inspiriert hätte. Larry Page und Sergey Brin hätten hier die Eingebung bekommen, Google zu erfinden, Jack...
Auf dem Internationalen Flughafen in Kuala Lumpur: Als der Halbbruder des nordkoreanischen Präsidenten auf einem der Terminals einchecken will, nähern sich von hinten zwei Frauen und umarmen ihn. Auf den Überwachungsvideos sieht das alles spielerisch, freundlich aus, als führten sie einen kleinen Tanz auf. Wenig später bricht der Mann tot zusammen. Der Vorfall...
Auf Tripadvisor hätte das Hotel Strindberg schlechte Karten. Die Zimmer sind zwar auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, aber leider nur über ein Notstiegenhaus zu erreichen; der Aufzug ist nämlich schon seit Jahren defekt, und anscheinend denkt man gar nicht daran, ihn reparieren zu lassen. Auch, dass es sich im Prinzip um ein Nichtraucherhotel handelt, wird hier...
