Triumph der Freiheit

Wer eine Wahl hat, wird vielleicht trotzdem Stückeschreiber: Philipp Löhle, ein Autor zu entdecken

Theater heute - Logo

Als Philipp Löhle einmal aus dem Supermarkt kam, sah er einen Mann mit einem Lama. Nichts Ungewöhnliches, denn es gibt ja schon seit einiger Zeit diese natur- und tierliebenden Menschen, die mit Andenmütze und Kleinkamel ihre Natur- und Tierhalterliebe öffentlich unterstützen lassen und gegen eine kleine Spende jedermann zum streichelnden Mitnatur- und Tierliebhaber befördern. Löhle befiel bei dem Anblick allerdings kein zärtliches Bedürfnis, sondern der spontane Satz: «Greenpeace hat mir mein Lama weggenommen.

» Wenn der Naturschützerverband, der sonst vorzugsweise mit kleinen Schlauch­booten übermächtige Walfänger oder Robbenschlächter angreift, seine Sache ernst meint, müsste er schließlich auch arme Lamas den Händen ihrer Mitleidsvermarkter entreißen. Dergleichen ist zwar noch nicht vorgekommen, aber warum eigentlich nicht?

Wie auch immer – jedenfalls fängt damit ein neues Stück angewandter Kapitalismuskritik an: «Genannt Gospodin» (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei). Dem Titelheld wird sein Betteltier ausgerechnet vom Grünenfrieden weggenommen, was ihn in eine existentielle Krise stürzt. Am Ende muss sich der Kapitalismus zwar nicht zu Tode fürchten, Gospodin ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2008
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Granaten statt Pistazien

«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis...

Wer hat Angst vor Caliban?

Wer Shakespeares «Sturm» als postkoloniales Märchen liest, hat leichtes Spiel. Ein paar Namensverschiebungen und kleine Zuspitzungen reichen, um aus dem entthronten Gelehrten Prospero Libero zu machen, einen selbstbewussten Staatsgründer und Kolonisator im Dienste des Humanismus. Der störrische «Erdkloß» Caliban wird mit einem anagrammatischen Dreher zum Indianer...

Was bewegt, bewegt sich

Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.

Falls man jedoch die...