Post-Feminismus? Vielleicht später mal

Zur theoretischen Vielfalt des Feminismus und zur neuen Politik des Privaten von Hilal Sezgin

Theater heute - Logo

Für manche gehört schon Mut dazu, dieses Wort überhaupt auszusprechen: Feminismus. Insbesondere die persona­lisierte Form. Ich sei eine Feministin, stellte mich kürz­lich ein Journalist bei einem Interview vor, und sofort bekam ich tröstende Emails von Bekannten, da sei ich aber schlecht behandelt worden. Feministin? Welch eine Beleidigung! Der Begriff des Feminismus hat in den letzten zehn, zwanzig Jahren einen so negativen Beiklang erhalten, dass man zunächst versucht ist, zu beteuern, welche Schrecklichkeiten mit diesem Feminismus, dem man anhänge, nicht gemeint seien.

Aber warum ­– warum so schüchtern? Es gibt keinen Grund, sich für eine politische Haltung zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, die sich die Abschaffung einiger der schlimmsten sozialen, physischen, ökonomischen und kulturellen Missstände vorgenommen hat. Darum sei diesem Text die Erklärung vorausgeschickt, dass die Verfasserin keine Notwendigkeit sieht, zunächst irgendeinen bestimmten Feminismus zu beschreiben, zu kritisieren und sich davon zu distanzieren, um sich im späteren Textverlauf dann zu einem anderen, «zeitgemäßeren» Feminismus zu bekennen, der die (mutmaßlichen) Mängel des zuerst genannten nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2011
Rubrik: Frauen im Theater, Seite 16
von Hilal Sezgin

Weitere Beiträge
Schreckliche Leere

Der 20. Todestag des polnischen Regisseurs, Malers und Theoretikers Tadeusz Kantor am 8. Dezember 2010 wurde wie in allen Jahren davor begangen: In der ulica Kanonicza 5, vor dem Kantor-Archiv, schulterte der Schauspieler Jan Ksiazek einen riesengroßen Rucksack und trug zwei Koffer, die er in der Aufführung von Wit­kacys «Wasserhuhn» (1967) getragen hatte. Auf...

Grundlos leben und schreiben

Einst rief mich eine Frau an, weil ich auch eine Frau bin, ansonsten verband uns nicht viel. Hätten wir ein Bildofon gehabt, hätten wir zur harmonischen Begrüßung unsere Brüste
und Genitalien ICH FRAU DU FRAU HALLO JANE eingeblendet. Sie, Leiterin einer freien Theatergruppe in Marburg – ich, einer der letzten Schriftsteller Stuttgarts, zwischen Café- und...

Gehen? Bleiben?

Bleiben oder gehen? Im Angesicht der Mauer konnte das eine Frage auf Leben und Tod sein.  In Anne Habermehls «Narbengelände» ist es auch eine Generationsfrage: Marie und Marc treibt im Februar 1989 in den Wäldern rund um Gera die vitale Überspanntheit 17-Jähriger, die in jeder Hinsicht von Entgrenzung träumen; Maries Eltern, ein knurriges altes Paar zwischen...