Bobos an Bio-Bourbon-Vanilleeis
Der Siegeszug der Bobos scheint unaufhaltsam. Jetzt haben die «Bourgeois Bohemiens» sogar schon die Bühne des Wiener Theaters an der Gumpendorfer Straße («Tag») erobert. Sie tragen zwar französische Namen wie Jean-Pierre oder Bulle, sind offensichtlich aber Kreative aus den Wiener Innenbezirken. Einer schreibt Kinderbücher, eine hat ihr Lokal verkauft und «macht jetzt Design», ein anderer hat eine kleine Anwaltskanzlei, natürlich spezialisiert auf Asylrecht.
Die Figuren aus «Der diskrete Charme der smarten Menschen» basieren auf Interviews, die die Schauspieler mit echten Wiener Bobos geführt haben. Das Stück hat Gastregisseur Ed. Hauswirth (vom Grazer Theater im Bahnhof) dann gemeinsam mit dem Tag-Ensemble bei den Proben entwickelt. Der Titel zitiert Luis Buñuels Filmklassiker «Der diskrete Charme der Bourgeoisie» von 1972, der für das Stück aber mehr Vorbild als Vorlage war. Konkret wurden nur die Namen der Figuren (sie heißen wie die Schauspieler aus dem Film) und eine Szene übernommen. Zumindest Buñuels Geist aber ist in den surrealistischen Gags der Inszenierung stets präsent, und wie im Film spielen Albträume eine wichtige Rolle: «Ich hab geträumt, dass die Politiker im ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Wien TaG, Seite 61
von Wolfgang Kralicek
Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Barauszahlungen an sich selbst «an der Kassa» des Burgtheaters in Höhe mehrerer Hunderttausend Euro, zum Teil ohne vertragliche Grundlage. Ein Defizit von mehreren Millionen, das über die Jahre aufgelaufen ist. Fragwürdige Abgeltungen eigener Inszenierungen, die aus Zürich übernommen wurden. Drei Mitglieder der eigenen Familie...
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Am Ende von Peter Handkes biografischem Porträt seiner Mutter, die 1971 Selbstmord beging, fliegt der Ich-Erzähler, der gerade die Todesnachricht erhalten hat, zurück nach Österreich. «Beim Zeitungslesen, Biertrinken, Aus-dem-Fenster-Schauen verging ich allmählich in einem müden, unpersönlichen Wohlgefühl», heißt es in «Wunschloses Unglück». «Ja, dachte ich immer...
