Was spielen sie?

Shakespeare «König Lear»

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Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein pragmatischer Gymnasialpädagoge, der aufmüpfige Pennäler zur Strafe vor die Tür schickt. In jedem Falle steht dieser Staatschef a.D. mit beiden Anzugbeinen fest auf esoterikfreiem Boden.

Selbiger besteht in Holk Freytags Inszenierung aus einem leeren schwarzen Kasten, der auf den ersten Blick wie ein Entwurf von Jürgen Goschs Bühnenbildner Johannes Schütz aussieht, de facto aber von Michael Thalheimers Bühnenbildner Olaf Altmann stammt und beim zweiten Hinsehen jede Menge dramaturgischer Schlupflöcher offenbart: Aus dem Boden fahrende Kleinstpodeste und eine am hinteren Bühnenende versteckte Treppe entpuppen sich als komfortable Auf- und Abgangsschächte, von denen die Mitglieder des Hofstaats wechselweise verschluckt bzw. aus denen sie wieder ausgespuckt werden.
 

Die Frage ist nur: Wozu eigentlich? Nicht, dass nichts passierte ...

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Theater heute November 2008
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Christine Wahl

Vergriffen
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