Dolmetscher der Gefühle
Es begann mit zwei schmalen Erzählbänden, die Mitte der neunziger Jahre erschienen und sonderbare Titel trugen: «Der Elefant verschwindet» und «Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah». Die Bücher hielten, was ihre Titel versprachen. Sie handelten von jungen Menschen in Japan, die ebenso gut junge Menschen in Mitteleuropa hätten sein können, die Spaghetti aßen, Woody-Allen-Filme sahen und, das vielleicht als signifikante Abweichung, eher Jazz- als Popmusik hörten.
Ihr Autor, ein gewisser Haruki Murakami, pflegte einen wunderbaren Sound, leicht, elegant, aber keineswegs seicht oder seifig. Die Geschichten handelten vom Einbruch des Irrationalen ins alltägliche Leben. Sie hatten eine magische Dimension, das machte sie aufregend. Wenn ein Elefant aus dem Zoo verschwindet, bedeutet das eben nicht, dass er flieht oder entführt oder getötet wird, sondern tatsächlich: dass er auf ganz und gar rätselhafte Art verschwindet, obwohl alles, aber auch alles ihn daran zu hindern scheint.
Die Erzählbände wurden nicht weiter beachtet. Erst mit den folgenden, oft dickleibigen Romanen wurde Murakami zum Bestsellerautor, zur Kultfigur und zum Streitobjekt mit unabsehbaren Folgen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hört her! Der Theaterkritiker hat ein Manifest geschrieben. Und was für eins. Es strotzt nur so von altbackenen Phrasen, von Unterstellungen und Bezügen, die mit unserer Zeit und dem Theater, das in ihr stattfindet, kaum noch etwas zu tun haben. Der Kritiker beklagt, dass das deutsche Theater an Gefühlsarmut, an arroganten und verblödeten Regisseuren und...
Als Samir, der Regisseur von «Motortown» (siehe S. 46 in diesem Heft), seinen Film «Snow White» in die Schweizer Kinos schickte, war es sein Pech, dass er links und rechts aus den eigenen Reihen überholt wurde. Von seinem eigenen Drehbuchautor Michael Sauter, der zeitgleich an den beiden erstklassigen Kassenschlagern «Mein Name ist Eugen» und «Grounding, die...
Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert. Vater Theobald Friedeborn,...
