So lange die Gelenke mitmachen
Alte Frauen, zwischen 60 und 90 Jahren. Am Strand, an der Kühltheke, im urbanen Nichtort. Die eine bewegt sich kaum merklich im Stehen, die andere versucht einen Sitzblues, die dritte mosht exzessiv, aber alle tanzen. Eun-Me Ahn hat für «Dancing Grandmothers» in der koreanischen Provinz recherchiert, das Ergebnis dieser Recherche ist der Mittelteil des dreiteiligen Abends: Videos tanzender Frauen.
Gerahmt wird er von den Tänzern aus Eun-Me Ahns Compagnie, die das Bewegungsrepertoire der Alten variieren, und einem Schlusspart, in dem alte Frauen und Profis gemeinsam auf der Bühne tanzen.
Insbesondere Letzteres ist zumindest beim Auftritt im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel nicht unproblematisch – natürlich ist die Bühnenpräsenz alter Menschen eine andere als die von ausgebildeten Tänzern. Ein Stück weit stellt «Dancing Grandmothers» seine Protagonistinnen aus. Ein Stück weit. Allerdings ist das hier ein Ausstellen, das eng verknüpft ist mit dem Prinzip Performance: Gezeigt werden Menschen, die einen Körperpanzer abwerfen, die sich aus der Enge der Konventionen lösen, die für alternde Körper gelten, und die mit zunehmendem Spaß über die Bühne toben. Naja, «toben». So lange die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Falk Schreiber
Tschechoslowakei, Sommer 1968. «Why don’t we do it in the road?», röhrt Paul McCartney in schönster Rotzrockerlaune in den Birkenwaldprospekt im Konstanzer Theater. Berechtigte Frage. Warum tun sie’s nicht einfach vor allen Leuten, dieser Landarztvagabund, die Stadtschickse, die Dorflolita oder dieses Triebkomplexpaket, nach dem das Stück benannt ist? Nun, sie tun...
Ständig wird man davor gewarnt und doch tun es alle: im Internet surfen und dabei – freiwillig oder unbewusst – jede Menge Datenspuren hinterlassen, aus denen sich intime Persönlichkeitsmuster und Konsumanfälligkeiten errechnen lassen. Die Münchner Theatermacherin Ana Zirner, die in der Vergangenheit schon unter Jugendlichen im Iran, Obdachlosen auf deutschen...
Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist?...
