Platzende Herzen
Was hat die Mutter ihrem Sohn zu sagen, der auf seine Hinrichtung wartet? Eine zerbrechliche alte Frau stolpert langsam in Richtung Rampe, in ein wollenes Tuch gewickelt, Mitbringsel für ihren Jungen in der Hand. Zitternd und distanziert trifft sie ihn an.
Eigentlich möchte sie ihm von ihrer Trauer erzählen, aber stattdessen entringt sich ihr eine kleinliche Schimpfkanonade: Wie er seiner Familie das antun konnte? Warum er um Himmels willen den Regierungsbeamten in die Luft jagen wollte? Wie sein Vater denn nun mit seinem rücksichtslosen Benehmen fertig werden solle? Kochend vor Zorn antwortet der Sohn. Zurück aus dem Gefängnis, verläuft die alte Frau sich verzweifelt und dem Wahnsinn nahe im Straßengewirr des alten Moskau, ihrer Geburtsstadt. Plötzlich erscheint ihr der Sohn, dreht sich im Takt eines traurigen Walzers und bringt einen Hochzeitstoast auf sie aus. Alles dreht sich in ihrem Kopf, bald verliert sie ihn ganz und sich selbst in diesem Alptraum, schließlich sehen wir einen Fremden ihren leblosen Körper aufnehmen.
Mindaugas Karbauskis’ Inszenierung der 98 Jahre alten Erzählung «Die sieben Gehenkten» von Leonid Andrejew im Moskauer Oleg-Tabakow-Theater ist ein ...
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Ja, da muss man sich doch einfach hinlegen: Die Wiener Festwochen 2006 begannen mit einem kollektiven Bed-in. Die Bühne für Ivo van Hoves Theateradaption des John-Cassavetes-Films «Faces» von 1968 besteht aus einer Bettenlandschaft; das Publikum verfolgt die im Stück verhandelte Ehekrise aus der Horizontalen (s. TH 8-9/05). Die Inszenierung ist eine Koproduktion...
Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...
Die Bühne des Schauspiels Magdeburg betritt «David Greig» wie ein überdrehter Conférencier. Als Passagier einer Boeing 777 plappert er, befeuert vom großzügig ausgeschenkten Whisky, gut gelaunt daher. Zum ersten Mal fliegt der Dramatiker in die USA, nach San Diego, wo im La Jolla Playhouse sein Stück «Die letzte Botschaft des Kosmonauten an die Frau, die er einst...
