Der dritte Weg
Man hat sich schon oft gefragt, wo die DDR geblieben ist. Einzelne Leichenteile konnten in bisher 50 Folgen der ZDF-Serie «Der letzte Zeuge» auf dem Seziertisch der Gerichtsmediziners Dr. Robert Kolmaar in Augenschein genommen werden, im Hauptabendprogramm. Es handelte sich dabei nicht um tragende Säulen des ideologischen Skeletts, sondern um Fetzen des emotionalen Bindegewebes. Vor allem ging es um Blicke aus den müden Rehaugen von Ulrich Mühe (Dr. Kolmaar) und aus dem Mundwinkel fallengelassene Lässigkeiten von Jörg Gudzuhn (Kriminalhauptkommissar Joe Hoffer).
Der Regisseur Bernhard Stephan hat schon für die Defa gearbeitet, der Drehbuchautor Gregor Edelmann mit Vera Oelschlegel das «Theater des Ostens» gegründet. Im ZDF-Underground beschäftigt sich die Gruppe mit Sinnstiftung und Ennui. Nebenbei bildet sie ein Auffangbecken für Theaterschauspieler auf der Suche nach dem gewissen Euro extra. In der 50. Folge kam es so zu Auftritten von Johann Adam Oest als suizidalem Arzt und Milena Cordelia Wege als rasende Reporterin mit exhibitionistischen Zügen.
Hält man die vor dem «Letzten Zeugen» im Programm platzierte Münchner Krimiserie «Siska» mit Wolfgang
Maria Bauer als ermittelndem ...
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Aus dem hell erleuchteten, voll besetzten Parkett des Hamburger Deutschen Schauspielhauses steht ein Theaterbesucher auf, geht im Businessanzug, den Schlips richtend, nach vorn und stellt sich und seine Problemlage dem Publikum als sein eigener Werbe-Promoter mit kaltem Charme vor: Der Chef, Othello, hat ihn, Jago, bei der ihm eigentlich zustehenden Beförderung zum...
Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan...
In Meiningen rollen Köpfe. Zwar derzeit nur auf der Bühne, aber es ist kein Geheimnis, dass manche Besucher im Parkett – wenn sie überhaupt noch kommen – auch gerne in der Intendanz so aufräumen würden, wie es Jarg Pataki in seiner Inszenierung von Büchners «Dantons Tod» radikal und unerbittlich vorführt: Kein Haupt bleibt da mehr auf dem Leib, die Macht wird neu...
