Ketzer werden verbrannt
So möchte eigentlich niemand sein: Irgendwo im biographischen Niemandsland zwischen fünfzig und siebzig, tortengeil, demnächst Wasser in den Beinen. Die eine der beiden reifen Freundinnen war wahrscheinlich einmal verheiratet und hat daran als deutlichste Erinnerung behalten, wie sie ihrem Mann die Zehennägel schneidet. Die andere hat sich lebenslang abends ihre Schnittchen alleine zurecht gemacht, pflegt Briefwechsel mit lebenslänglich Verurteilten und träumt vor dem Einschlafen davon, sich mit ihnen «im Glück zu wälzen».
Ein erfülltes Leben sieht anders aus, und Pia und Helen sehen das ähnlich. Deshalb haben die beiden Unglücksfreundinnen auch beschlossen, ihre irdische Existenz zu beenden und die Welt «von sich zu erlösen».
Zwei mittlere Durchschnittsmenschen allein zu zweit, zwischen sich und der Ewigkeit nichts als ihr Rededrang – etwas Besseres kann Theresia Walser für ihre dramatische Sendung nicht passieren. Mit Handlung ist ihren Figuren nicht gedient, dazu würde es Entschlüsse brauchen, Anfang und Ende, Sinn oder wenigstens Zweck. Aber wo soll man dergleichen hernehmen, wenn der Alltag ein Einerlei ist und man schon genug zu tun hat, das verschwommene Grau wenigstens ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn es um die möglichst lukrative Verbindung von Kunst und Geld geht, macht den Salzburger Festspielen an sich keiner was vor. In der katholischen Kirche aber hat das Festival diesen Sommer seinen Meister gefunden: Auf einem derzeit wegen Renovierung eingerüsteten Turm des Salzburger Doms wurde für die noble Schreibwarenfirma Montblanc geworben. Dass...
Büchners «Woyzeck», so will es die Sagenschreibung, soll bereits für den Teenager Neil LaBute von immenser Bedeutung gewesen sein. So sehr, dass LaBute schon sehr jung – jünger als Büchner selbst war, als er sich den «Woyzeck» 23-jährig von der Seele schrieb – den Stoff ins Amerikanische übersetzt haben soll. Und dann, als LaBute viel später einmal als großer...
Theater heute Kann man Schreiben lernen? Sie studieren Szenisches Schreiben in Leipzig, und Moritz Rinke war ein Jahr lang Ihr Dozent. Was kann man zum Beispiel bei Moritz Rinke lernen?
Katharina Adler Bei Moritz war es von Anfang an sehr werkstattorientiert. Wir hatten immer zwei Seminare hintereinander, und die waren aufgeteilt in drei Rubriken: Jede Stunde hat...
