Graz: Das große Husten
Wenn im Theater gehustet wird, dann normalerweise im Zuschauerraum. Diesmal aber fängt die Vorstellung damit an, dass das in Anoraks und Daunenmäntel gehüllte Ensemble sich vor dem Vorhang aufreiht und so lange herzhaft um die Wette hustet, bis der – ebenfalls hustende – Doktor seine Patienten von der Bühne holt. So beginnt Alexander Eisenachs Inszenierung des «Zauberbergs» in Graz.
Da fragt man sich natürlich gleich einmal: Wie lange geht’s? Das gemächliche Erzähltempo, das Thomas Mann in seinem – je nach Ausgabe – 650 bis 1000 Seiten starken Hauptwerk anschlägt, ist ein wesentliches Stilmittel des Romans, der ja auch davon handelt, dass die Uhren im noblen Schweizer Lungensanatorium langsamer gehen als unten bei den Gesunden. Die Spieldauer einer «Zauberberg»-Aufführung müsste also mindestens Castorf-Dimensionen haben; in Graz sind es knapp vier Stunden, was für Stadttheaterverhältnisse zwar durchaus eine Herausforderung darstellt, aber zu kurz ist, um gepflegte Langeweile aufkommen zu lassen.
Regisseur Eisenach ist auch sonst bemüht, gängige «Zauberberg»-Erwartungen zu unterlaufen. Von den Liegestühlen etwa, auf denen die Romanfiguren große Teile ihrer Tage verbringen, ist hier ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Wolfgang Kralicek
Pläne der Redaktion
Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.
#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.
Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...
Sie beharren beide auf ihrem formalen Recht und verlieren sich in ihren Rachefeldzügen. Die Rezeption des Shylock, Shakespeares jüdischem Pfandleiher, der dem Kaufmann von Venedig Antonio ein Pfund Fleisch aus dem Körper schneiden will, befindet sich dabei spätestens seit der Indienstnahme des Stücks für den nationalsozialistischen Antisemitismus auf heiklem...
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
