München: Gotteskomplexe
Im Anfang war enttäuschte Liebe. Ein Gefühl, das mit aller Heftigkeit und explosiven Energie einen wunderbaren Ausgangspunkt für eine Standortbestimmung in transzendenten Fragen abgeben kann. Und so beginnt Yael Ronens jüngstes Werk «#Genesis / A Starting Point», bei dem es um den Urgrund der Schöpfung, vielleicht auch des Schöpferischen gehen soll, zunächst mit einer hoch emotionalen Abrechnung der jüngsten Vergangenheit.
Damian Rebgetz, Australoberliner, Performance-Paradiesvogel und in den letzten drei Jahren Ensemblemitglied der Kammerspiele, verkündet seinen (längst bekannten) Weggang aus München mit dem Pathos des verschmähten Lovers («you never appreciated my ambiguity») und knüpft damit in sprudelndem Englisch, von Wiebke Puls in knappes Deutsch übersetzt, gleich noch mal an die mediale Erregung um Matthias Lilienthals Nichtverlängerungsentschluss als Intendant an.
Nachdem Puls dem J’accuse des Kollegen ihrerseits ein entschiedenes Plädoyer des Bleibens – «Ich sehe auch die Probleme, aber ich will unbedingt, dass es funktioniert» – entgegengesetzt hat, ist allerdings der Schmerzpunkt des Abends auch schon vorüber. Was folgt, sind verspielte Flapsigkeiten über Vater- und ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Silvia Stammen
Die Jubiläumshymnen sind gesungen, der Sekt ist geflossen, das Konfetti nach der großen Gala auf der Berliner HAU2-Bühne zusammengefegt worden: Zeit, sich nach den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des vielleicht erfolgreichsten Gießener Performancekollektivs noch einmal in das zu diesem Anlass erschienene Buch zu vertiefen. «Sich selbst fremd werden»...
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns totgesiegt.» Diesen Satz möchte der Historiker Philipp Blom «gerade den linken, liberalen Intellektuellen» zur Eröffnung der Intendanz Johan Simons ins Stammbuch schreiben: Das Bewusstsein, aus einer Position der Macht und der Privilegien zu sprechen, zu lehren, politische Kunst zu machen, war in der Tat lange Zeit nicht...
Aufführungen
Zwei große Mörderinnen der Dramengeschichte werden im Dezember wieder Männer töten, die sie lieben: Medea bringt ihre Söhne um, Salome den begehrten Jochanaan. Mateja Koleznik bringt die «Medea» von Franz Grillparzer mit Sylvana Krappatsch in der Titelrolle auf die Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses; Simon Stone überschreibt Euripides’ Drama mit...
