Der König ist nackt
Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum, orangen bauscht sich eine Riesengardine vor der Bühne.
Spätestens, wenn zwei sinistre Gestalten vor der ersten Reihe sich sichtlich unfreundlich in einer sehr fremden Sprache anpöbeln, erinnert man sich wieder: Klar, bevor sich die Christdemokraten die freundlich soziale Farbe für die angestrebte Revolution des deutschen Steuerwesens kaperten, stand der Apfelsinenton für einen echten Umschwung: Viktor Juschtschenkos entschlossene Hinwendung der Ukraine zum Westen, eine orangene Revolution, in deren Zeichen sich im Dezember 2004 16 Tage lang Demonstranten in Kiew die Füße abfroren. Gar nicht so lange her.
Der Live-Art-Eröffnung im Zuschauerraum setzt ein Herr, der das fremde Idiom fließend beherrscht, ein Ende: Es ist der Autor Juri Andruchowytsch selbst, und er sieht ein wenig verwegen aus und durchaus so attraktiv, wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dem V-Effekt war Lars von Trier schon immer zugeneigt. Der Dialektik und dem hintergründigen Moralisieren auch. Nach der vierten Folge seiner alptraumhaft-bizarren Krankenhaus-Fernsehserie «The Kingdom» (1994) erschien er im Smoking und mit Fliege auf dem Bildschirm und erklärte zuvorkommend: «Vielleicht sind Sie verunsichert durch das, was wir Ihnen gezeigt haben,...
Mit Vater ist nicht mehr viel los. Er hängt nur noch apathisch rum und redet häufiger mal wirr. Wenn er mit seinen alten Herren zusammen ist, schlagen sie kräftig über die Stränge. Und furchtbar launisch ist er geworden. «Vater, du bist alt. Vater, du wirst peinlich.» So muss es kurz vor der Abschiebung ins Pflegeheim zugehen, oder eben vor der Abschiebung König...
Theater heute Das Stadttheater, heißt es immer wieder, gräbt der Freien Szene die besten Leute ab, stürzt sich auf verheißungsvolle Talente und innovative Ansätze. Wilfried Schulz, was haben Sie als Intendant des Staatsschauspiels Hannover in den letzten Jahren so aus der Freien Szene abgeschöpft?
Wilfried Schulz Ich glaube, der Übergang ist schon seit längerer...
