Der teuflische Gott
Manche bezeichnen Konstantin Bogomolow als billigen Schocker. Junge Kritiker sehen seine Inszenierungen drei bis vier Mal und kennen jede Szene. Konservative Dozenten an den Theaterhochschulen verschrecken ihre Studenten allein mit seinem Namen, während wiederum einige Mitglieder des Polit-Establishments (und besonders deren Glamour-Ehefrauen) ein Wahnsinnsgeld für Eintrittskarten zu Bogomolow-Inszenierungen hinlegen.
Repräsentanten der extremistischen orthodoxen Organisation «Gottes Wille» haben versucht, seine Inszenierung von Oscar Wildes Komödie «Ein idealer Gatte» am Moskauer Künstlertheater absetzen zu lassen. Selbst der stellvertretende Kulturminister Schurawskij persönlich bat den künstlerischen Leiter Oleg Tabakow, alle Bogomolow-Inszenierungen aus dem Spielplan zu nehmen. Es ist ihm nicht gelungen.
Der Wirbel um den Philologie-Absolventen der Moskauer Staatlichen Universität, der auch an der Russischen Akademie für Theaterkunst (früher GITIS) Regie studiert hat, war nicht wirklich vorhersehbar. Von 2002 bis 2011 hat er an prestigeträchtigen Moskauer Bühnen inszeniert. Da gab es gute Schauspieler zu sehen, ab und an eine interessante Konzeption, Sprengstoff hatte aber ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Ausland, Seite 56
von Marina Davydova
Wenn das Ende naht, schlagen die Emotionen hoch. Auf dem «Schiff der Träume», während am imaginären Horizont ein Panzerkreuzer der Österreicher aufzieht und – es ist 1914 – die Herausgabe serbischer Schiffsbrüchiger fordert, halten die Passagiere Trauerfeier für eine verehrte Opernsängerin: «Kyrie eleison», «Herr erbarme dich», tönt es aus einem Herzen, zu einem...
Wer glaubt noch «Nathan»? Lessings akkuratem Fünfakter von der überlegenen Weisheit einer aufklärerischen Vernunft, die sich über alle Religionen hinweg mit souveräner Toleranz durchsetzt? Dieser aufklärerischen Utopie einer Humanität, vor der alle Menschen gleich sind wie in einer großen Familie, die sich am Ende segensreich um den Hals fällt? Wer könnte solche...
Orgelnde Monologe
In Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow» übertreffen sich die exzentrischen Glamrocksolisten
Noch wagen wir uns kaum auszumalen, was in der nächsten Spielzeit alles an Castorf- und Volksbühnenabschiedsfeuerwerken gezündet wird. Zum Ende der letzten gab es bereits ein gewaltiges zu bewundern: Dostojewskis «Die Brüder...
