Time to say Good-bye
«Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter» ist am 19. & 20.05. wieder an der Volksbühne in Berlin zu sehen.
Warum die Inszenierung als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen, zum diesjährigen Theatertreffen hätte eingeladen werden sollen, lesen Sie hier.
Seit anderthalb Jahren tobt er nun schon, der Kulturkrieg in Berlin: Seit Tim Renner, denkbar ungeschickt kommunizierend, im April 2015 den Tate-Direktor Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs designierte, teilt sich Berlins Theaterszene in unversöhnliche Pro- oder Contra-Fraktionen. Dass Frank Castorf nach einem Vierteljahrhundert den Hut nehmen soll, um nur noch Wien, München, Hamburg mit seinen raumgreifenden Arbeiten selig zu erschöpfen, erscheint den einen unverzeihlich: Größe, Sperrigkeit, Exzess der Castorf-Pollesch-Fritsch-Bühne werden unter Tränen beschworen.
Die anderen, vergleichsweise zurückhaltend, glauben an die Notwendigkeit der Veränderung auch für legendäre Häuser. Das Hysterielevel der bekannten Gesichter, die mit ungemischten Gefühlen Offene Briefe verfassen, ist hoch.
Dass die letzte Spielzeit der Ära Castorf ein Abschiedsparcours von noch nie dagewesener Selbstbezüglichkeit werden wird, zeichnete sich schon in der letzten Saison ab – in Bert Neumanns schöner Trotzreaktion des zubetonierten Bühnenbodens, die durch den plötzlichen Tod des Bühnenbildurgesteins der ersten Volksbühnenstunde zusätzliche Symbolschwere bekam. Oder in René Polleschs Diskurs-Tour ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Barbara Burckhardt
Im aktuellen Jahrbuch von «Theater heute» äußert sich Prof. Dr. Peter Raue, Seniorpartner der Berliner Anwaltssozietät RAUE LLP, zu zwei Prozessen vor dem Landgericht Berlin, die Beatrix von Storch (AfD) und Hedwig von Beverfoerde (CDU) gegen die Schaubühne angestrengt hatten, um Änderungen in Falk Richters Inszenierung «Fear» durchzusetzen. Beide Damen fühlten...
Zwei große öffentlich subventionierte Theater vor Ort sind eine Chance – nicht um sich verbissen Konkurrenz im Ähnlichen zu machen, sondern um in der Stadt größtmögliche Vielfalt an Inhalt, Form und künstlerischer Weltsicht zu präsentieren. Diese sinnvolle, doch längst nicht immer praktizierte Arbeitsteilung klappt nun, trotz einigen Theaterdonners wegen wahlweise...
Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft. Eine geschlagene Viertelstunde lang steigert...
