Die Frage, die keiner stellen kann
Bei lebendigem Leib zerstückelt, mit Fußtritten getötet, vom Auto überfahren – tote Kinder sind in Dea Lohers Literatur ein ständig wiederkehrender Schock, um von der Hilflosigkeit des Trauerns zu erzählen.
Das verzweifelte Ringen um Tapferkeit, das als Leitmotiv seit Anfang der Neunziger ihre Stücke und auch ihren jüngst erschienenen Roman «Bugatti taucht auf» verbindet, hat Dea Loher immer wieder aus der Perspektive von Eltern beschrieben, die sich mit dem größten vorstellbaren Verlust konfrontiert sehen – und Wege finden müssen, mit dem Schmerz und den eigenen Schuldgefühlen umzugehen.
Aus diesen schwarzen Momenten hat Loher einige ihrer eindrücklichsten Figuren erschaffen, etwa den guten Polizisten in «Das Leben auf der Praça Roosevelt», der seinen Sohn überredet, aus dem Drogengeschäft auszusteigen, was zu dessen grauenerregendem Foltertod durch das Kartell führt, oder der rätselhafte Fremde in «Das letzte Feuer», der sich die Fingernägel bis zum Knochen abfeilt. Das Memento mori, das Loher beharrlich gegen das Zeitalter ewiger Jugend in immer neuen Varianten ausmalt, fand im Motiv des toten Kindes stets seine größte Schwerkraft und Verzweiflungshitze.
Abschied ohne Gründe
In ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Till Briegleb
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Wer möchte in dieser Haut stecken? Die etwas über 50-jährige Ich-Erzählerin in Friederike Mayröckers «Reise durch die Nacht» kreist weitgehend formlos um einen toten Vater, zwei möglicherweise früh verstorbene Kinder, diffuse Erinnerungsblitze, Probleme mit dem Erzählen wie mit dem Handeln, ihre panisch betriebene «Schreibarbeit», eine unverzichtbare, dabei...
