Foto: Birgit Hupfeld
Konservativ und wendig
Vor acht Jahren ist Oliver Reese angetreten, die Frankfurter zu lehren, ihr Theater wieder zu lieben. Seine Botschaft lautete: «Schauspieler! Theater!» Und so ließ er Porträts seines Ensembles in der ganzen Stadt plakatieren. Denn unter seiner streit- und denklustigen Vorgängerin Elisabeth Schweeger galt das Schauspiel Frankfurt als zu kompliziert und verkopft, und auch die Politik stand bei weitem nicht immer hinter ihrem Theater. Zu seinem Arbeitsantritt 2009 bemängelte der neue Intendant den fehlenden Rückhalt des Hauses in der Stadt.
Wie ist das heute, Herr Reese? «Ins Gegenteil verkehrt!», sagt der agile Theatermann, als wir uns zum Interview in seinem schlichten Büro treffen. «Unser Abonnentenstamm hat sich verdreifacht. Wir haben ein außergewöhnlich treues Publikum.» Indem Reese die Schauspieler*innen, ihre Virtuosität ins Zentrum seines Theaters rückte, machte er dem Frankfurter Publikum ein Identifikationsangebot, das es nicht ausschlug.
In seiner ersten Saison startete er mit einem umsichtigen, um nicht zu sagen vorsichtigen Programm: mit Klassikern im Großen Haus, das fortan Schauspielhaus hieß, und einer Prise zeitgenössischer Autoren in den Kammerspielen. Eröffnet ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 50
von Esther Boldt
Nachdem vor kurzem die wichtigste liberale Zeitung «Népszabadság» eingestellt wurde und nach dem regimeaffinen Eigentümerwechsel bei mehreren Radio- und Fernsehsendern, gerät die Pressefreiheit – so auch dem Freedom House Report zufolge – in Ungarn in immer größere Gefahr. In den letzten Freiräumen, auf YouTube, Facebook und auf der Straße bei Demonstrationen...
Wenn Kasimir heuzutage wählen könnte, würde er vermutlich AfD wählen. Gerade arbeitslos geworden inmitten einer Wirtschaftskrise, fressen sich Selbstmitleid, Hass und Neid in seine Gedanken. Die da oben, wir da unten. Und wenn Perspektive und Möglichkeiten fehlen, ist man natürlich nicht liberal drauf. Auch nicht in Stuttgart. Wo sich zu Beginn von Stefan Puchers...
Franz Wille: Herr Vornam, Sie haben die Einstiegsgage für künstlerisch Beschäftigte von der Mindestgage, die der Tarifvertrag vorsieht – 1850 Euro im Monat – auf deutlich erfreulichere 2300 Euro angehoben. Normalerweise sind Intendanten bei Gagenverhandlungen eher knausrig, woher diese Großzügigkeit?
Axel Vornam Ich habe noch nie die absolute Mindestgage bezahlt,...
