Der Blitz auf der Schaukel
Nach allem, was man von Schillers «Don Carlos» weiß, waren «die schönen Tage von Aranjuez», die zu Beginn des Dramas bekanntlich zu Ende sind, nicht besonders schön. Denn «Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer. Wir sind vergebens hier gewesen». Wer das sagt, ist übrigens nicht Prinz Carlos und auch nicht die von ihm geliebte Königin Elisabeth, sondern Domingo, der Beichtvater des Königs und ein ziemlich finsterer katholischer Strippenzieher.
Und was er mit den «schönen Tagen» eröffnen will, so wie man erstmal unverfänglich «gutes Wetter, heute» sagt, ist nichts anderes als ein Verhör. Gleich darauf wird er konkret: «Brechen Sie dies rätselhafte Schweigen, öffnen Sie Ihr Herz.» Was den so an- und ausgefragten Prinz zu ersten voltenreichen Windungen in einem windungs- und voltenreichen Stück veranlasst.
Man tut also sicher nicht falsch daran, Peter Handkes neues Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» ein bisschen genauer und hintergründiger zu lesen, als es der erste Anschein nahelegt. Zumal es sich offenbar ebenfalls um ein Verhör handelt, allerdings um ein schon länger vereinbartes. «Wer macht den Anfang?», fragt der «Mann». «Du. So war es gedacht», antwortet die Frau. ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 33
von Franz Wille
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