Rahel ist süß
Amour fou im mittelalterlichen Spanien: Der erotisch wenig versierte, durch lange Ehe abenteuerlustig gewordene König Alfonso VIII. trifft auf ein unschuldiges und zugleich ganz schön kokettes Mädchen, die junge Jüdin Rahel. Obwohl der König eigentlich jede Menge zu tun hat – es droht Krieg gegen die Mauren –, zieht er sich mit ihr auf sein Lustschloss zurück. Als er sich dann endlich wieder den Staatsgeschäften zuwendet, ist es für die Geliebte schon zu spät: Die Königin hat bereits ihren Tod
beschlossen.
«Die Jüdin von Toledo» ist, nach «Das goldene Vließ» (2004), Stephan Kimmigs zweite Grillparzer-Inszenierung am Burgtheater, und zunächst sieht es so aus, als wollte er das Stück mit dem schweren Regiehammer auseinandernehmen. Das Einheitsbühnenbild (Katja Haß) stellt einen modernen Gerichtssaal (mit viel hellem Holz und dem obligaten Kruzifix an der Wand) dar, und bevor das Stück losgeht, hält Hauptdarsteller Peter Jordan vor der Videoprojektion eines Alpenpanoramas noch ein kleines Impulsreferat zum Thema «Heimat» (Quelle: ein Text von Jörg Haider!).
Zwar ist die politische Dimension des Stücks tatsächlich nicht zu übersehen: Unter anderem wird am Ende aus Staatsräson eine ...
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«Sterben ist etwas mehr als Harlekins Sprung» (Schiller). Aber Sterben will ja auch keiner. Also Harlekins Sprung! So dürfte es sich Junghausregisseur Martin Laberenz gesagt haben, ehe er sich erstmals auf die Große Bühne des Centraltheaters schwang, um dort «Die Räuber» Purzelbäume schlagen zu lassen. Wie in Persiflagen von Mel Brooks wird bei ihm ein Schiller für...
Die Bühne ist ein Blendax-weißer Kasten, nach hinten flachstufig ansteigend: Sieht super aus, erst recht im Kontrast zum altgolden Neurokoko des Saals. Und, um es gleich zu sagen, der aseptische Leer-Raum von Johannes Schütz ist das Beste an der Peymann-Inszenierung «Freedom and Democracy I hate you» von Mark Ravenhill im Berliner Ensemble.
Der jugendkultig...
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo zerstört wird, fliegt der Glitter. Zumindest ist das im Stuttgarter Schauspiel so, wo eine Baubrigade kaputt macht, was sie zuvor gebaut hat. Weil es ein Beschluss so will, und weil Beschlüsse nicht verhandelbar sind. «Der Bau» ist ein mehr als vierzig Jahre altes Stück von Heiner Müller, das zumindest in seinem Parabelcharakter...
