Vaterschmerz
Die serbische Autorin Biljana Srbljanovic wurde im Januar 2010 ans Wiener Burgtheater eingeladen, um dort in der Reihe «Kakanien – Neue Republik der Dichter» eine Rede über neue Identitäten auf dem Gebiet der alten Donaumonarchie zu halten. Es ist eine beeindruckend persönliche Rede geworden, in der sie über den Tod ihres Vaters spricht. Dessen Biografie durch alle politischen Veränderungen hindurch wird ihr zum exemplarischen Psychogramm eines serbischen «Everyman», wie sie den Vater nennt.
Zugleich ist und war eben diese Biografie zeitlebens Ausgangspunkt einer komplizierten, immer Kampf und Auseinandersetzung suchenden Vater-Tochter-Beziehung. Berührend und mit großem Humor, gepaart mit dem ihr eigenen streitbaren Furor schlägt Biljana Srbljanovic in dieser Wiener Rede den Bogen vom kranken Vater zum mühsamen Versuch eines angeschlagenen Volkes, innerhalb der europäischen Volksgemeinschaft zu gesunden. Immer verbunden mit ihrer eigenen Suche nach der passenden Identität zwischen Belgrad, Paris und Baku in Aserbaidschan, wo die Dramatikerin inzwischen ein temporäres Leben als Diplomatengattin führt.
Zu Beginn ihrer Rede beschreibt sie, wie sie den Vater, diesen Baum von einem ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 169
von Thomas Laue
Paulus Hochgatterer, 1961 in Amstetten geboren, ist ein bekannter Facharzt und einer der besten Prosaautoren Österreichs. Er ist Arzt für Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters und seit einigen Jahren Primar an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tulln/Niederösterreich. Als Facharzt ist er ein sehr gefragter Spezialist und das nicht nur in...
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...
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