Das letzte Einhorn
Erinnern und sich erinnern, das sind zwei Begriffe, aktiv und passiv, die ebenso schmerzhaft wie schön sein können, denn sie haben mit Zeit zu tun, Zeit, die vergangen ist, zwar nie verloren, sondern gewonnen aus Beschwörung und Mühe, und doch immer näher dem Ende zu, dem Tod, unser aller Tod, den jeder allein leisten muss, gleichgültig sein Rang, selbst sein Glaube. Wir alle, die wir da sind, wissen, dass wir eines Tages nicht mehr da sein werden. Wie ist das Einfache furchtbar klar.
Für den Einzelnen und für die, die noch nicht einzeln sind, denn die Liebe täuscht wundersam die Gemeinsamkeit vor, der Tod zeigt, was er von ihr hält – allein, ganz allein, nackt zu sein.
Ich kannte Peter Palitzsch seit 36 Jahren. Unser Altersunterschied betrug 23 Jahre. Als die festen Begriffe der Adenauer-Ära 1968 ihrer Zenit erreicht hatten, er Schauspieldirektor in Stuttgart war, ich Regisseur im nahen Heidelberg, lernten wir uns kennen. Sein Dramaturg Jörg Wehmeier hatte meine Aufführung «Die Verfolgung des Marat» von Peter Weiss zu einem Gastspiel ins Staatstheater Stuttgart eingeladen. Während der Vorstellung ging ich unruhig hinter der Bühne umher und sah einen Mann, der, die eine Hand in die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Peter Palitzsch - Stationen eines Lebens
Ivan Nagel über Peter Palitzsch
Egon Monk über Peter Palitzsch
Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne...
Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...
Neulich bei Kanzlers zu Hause: Da steht der Chef aller Deutschen mit offenem Hemd und Rotweinglas, und seine Tochter kommt vom Disco-Besuch nach Hause. Der war leider nicht sehr sexy, weil es wohl nichts auf der Welt gibt, wo Personenschutz so peinlich stört wie im Nachtleben. «Papa, wir leben hier wie im Knast», erklärt die Kleine unserem Bundeskanzler und trollt...
