Zwiebelsuppe
Der Regisseur Michael Simon hat sich einen Namen gemacht als Maître de Plaisir des Theaters.
Er begnügt sich nicht mit den herkömmlichen Guckkastenkonventionen – das werte Publikum soll schon etwas mehr Anteil nehmen am Geschehen, auch physischen; gern wird es auf die Bühne gebeten, um den Schweiß der Schauspieler zu riechen und hautnah strömen zu sehen, es soll den Blick in den leeren Saal richten oder in die schwindelnden Höhen des Schnürbodens, wo die Akteure über Beleuchtungsstege hetzen und einander ihre Texte zurufen, und der Zuschauer denkt: Wenn jetzt einer herunterfällt, musst du ihn auffangen. Das passiert natürlich nicht, aber es lenkt doch ein bisschen ab von dem, was gerade zu verhandeln wäre. Man hört und staunt viel in Simons Theater, das ist für eine Weile unterhaltsam (aber nicht für dreieinhalb Stunden), man denkt sich auch seinen Teil, aber vielleicht eben nur den. Was für ein schweres nordisches Kopf-Drama wie das Gyntsche von Ibsen am Ende zu wenig sein könnte.
Der Abend beginnt amüsant, denn Mutter Aase wird von einem kräftigen Kerl gespielt (Götz Argus), und die vielsagenden Zwiebelschalen fliegen dem aufgeregten und quirligen jungen Peer (Johannes Allmayer) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Rasant geht es los mit Goethes freiheitsdurstigem Ritter von Berlichingen. 22 war er, als er den Ur-«Götz» schrieb, den mit dem Zitat. Klipp-klapp folgen kurze Szenen aufeinander, akzentuiert durch Musik, aus dem Off werden die Orte angesagt, keine Umbauten. Die Einheitsbühne ist wandelbar; ein abstrahierter Säulengang, zwei verschieden tief gesetzte Plattformen...
Es ist schon ein Kreuz mit der Kunst und dem Kapitalismus. Eine echte Liebesbeziehung im Stil feudalistischen Mäzenatentums will sich da partout nicht einstellen, zumindest nicht, wenn keine krisenfesten Sammlerwerte in Aussicht stehen. Stattdessen gefährdet die schnöde Profitgier die letzten Refugien von Poesie, wo geschriebene Worte und komponierte Töne noch frei...
Frage: Man findet nach einem Flugzeugabsturz fünf Leichen mit Silikonimplantaten, was ist das? Antwort: eine Girlgroup.» Nun ist dies keine Anekdote aus der amerikanischen Bestattungsunternehmer-Serie «Six Feet Under», sondern ein ganz normaler Schweizer Bestattungsunternehmer-Witz und hat eigentlich nicht wahnsinnig viel mit Max Frischs Roman «Homo Faber» von 1957...
