Wiener Fenstersturz
Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten. Aber «er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln», geschweige denn, um ein Wort zu sagen.
Und hätte sie ihm andernfalls nicht gleich einen Finger auf die Lippen legen müssen, weil der Zauber sonst verflogen wäre?
Auch der Hörspielmacher Leonhard Koppelmann hat einen Schatz ans Tageslicht geholt. Konrad Bayer, Dichter, Experimentalfilmer und Gründungsmitglied der «Wiener Gruppe» (mit Fried-rich Achleitner, H. C. Artmann, Gerhard Rühm und Oswald Wiener), zog in seinem Fragment gebliebenen Roman «der sechste sinn» die Summe der Experimente, die mit Montage-Gedichten, parodistischen Liedern und Bühnenstücken bei den literarischen Kabaretts der Gruppe ihren Anfang genommen hatten. Heute gilt Bayer als Wegbereiter der Avantgarde. Er wäre 72 Jahre alt. Als er sich im Oktober 1964 das Leben nahm, war er 31, ein unnahbarer Dandy und ...
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Vor neun Jahren hat Peter Zadek den «Kirschgarten« inszeniert, im Wiener Akademietheater, in einer puppenstubenkleinen Welt für ganz große Schauspieler, Angela Winkler und Sepp Bierbichler: ein melancholischer, vor subversiver Erotik flirrender Abgesang auf die Vergänglichkeit und den Zauber des ewigen Spiels. Drei Jahre später in Basel räumte Stefan Pucher mit dem...
CharakterdarstellerInnen flimmern vorbei. Diese Kolumne soll immer eine oder einen herausgreifen und bei der Arbeit beobachten, bekam aber in Vivian Naefes Keyserling-Verfilmung «Wellen» niemanden zu fassen. Sunnyi Melles, Christian Grashof, Marie Bäumer, Monica Bleibtreu und natürlich Matthias Habich tauchten alle auf und vermittelten durch ihre reine Anwesenheit...
Man könnte meinen, Katharina Schlender sei im Vorfeld ihres Stückes als Ermittlerin unterwegs gewesen und habe die Spuren eines tatsächlichen Mordfalles sichern wollen. Das Ganze ereignete sich 1999. Der Tote lag am Fuße der Göltschtalbrücke im Vogtland, und die Ermittlungsbehörden gingen zuerst einmal von Selbstmord aus. Sehr schnell wurde allerdings klar, dass...
