Karlsruhe: Gleichschaltung reloaded
«In der Horde tut ihr Dinge, die ihr alleine nicht tun würdet.» Ja, da hat die Automatenstimme Julia wohl recht. Schließlich bringt sie die Teilnehmer von «Remote Karlsruhe» nicht nur dazu, sich per Kopfhörer rund eindreiviertel Stunden lang durch die Stadt leiten zu lassen, sondern auch dazu, in Demonstrantenhaltung mit gerecktem Arm durch die Fußgängerzone zu laufen, auf einem öffentlichen Platz zu tanzen oder in einem Einkaufszentrum Ballettbewegungen auszuführen.
Der dramaturgische Bogen des von Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) konzipierten und vor Karlsruhe bereits in Metropolen wie Berlin, Wien oder New York gebotenen Projektes sieht so aus: Indem die Maschine «Julia» behauptet, während dieser gemeinsamen Wanderung etwas über Menschen lernen zu wollen, sollen natürlich die Teilnehmer selbst über das Menschsein nachdenken – über die Vergänglichkeit (die Tour beginnt auf einem Friedhof), über die Wechselbeziehung von Gruppe und Individuum, über die Bereitwilligkeit, sich als Wesen mit freiem Willen einer Fremdsteuerung auszusetzen (zum Beispiel durch Maschinen).
Wer über solche Dinge normalerweise eher nicht nachdenkt, tja, der könnte hier vielleicht den einen oder anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Jüttner
Aachen, Grenzlandtheater
14.8. Strindberg, Fräulein Julie
R. Catharina Fillers
22.9. Engler, Noch einmal, aber besser
R. Philip Stemann
Aachen, Theater
17.9. de Velasco, Tigermilch
R. Hanna Müller
18.9. Müller, Der Auftrag.
Erinnerungen an eine Revolution
R. Paul-Georg Dittrich
22.9. Goethe, Faust 1+2#konzentriert
R. Christina Rast
Altenburg/Gera, TPT
19.9. Lorca, Bluthochzeit
...
Unter Saddam Hussein war der Irak wunderschön», seufzt der Iraker Behnam Al-Agzeer beim Interview in der «Dezentrale» in Mülheim an der Ruhr, die vor drei Jahren noch eine Schlecker-Filiale war und nun die «Silent University» beherbergt.
Es gibt wohl kaum einen Satz, in dem sich der Abgrund zwischen westlicher und östlicher Perspektive klarer abbilden würde. Mit...
Sie haben die Band wieder zusammengebracht: Mit dem neuen Schauspielchef Stefan Schmidtke kam auch der russische Autor und Performer Jewgeni Grischkowez nach mehrjähriger Pause zurück zu den Wiener Festwochen. In den Nullerjahren gehörte Grischkowez zu den Stammgästen und Publikumslieblingen des Festivals; mitverantwortlich für den Erfolg seiner Erzähltheatersolos...
