Am Rausch geschult
Anja Hilling ist eine Poetin. Und in Zeiten, in denen dramatische Literatur als unzeitgemäß gilt, sollte man das zunächst einmal unterstreichen. Hillings Dichtkunst bemerkt die Leserin oder der Leser schon, wenn sie oder er nur die Besetzungsanweisungen, Orts- oder Zeitangaben ihrer Stücke liest. Sachte, aber dennoch pointiert und stets entschieden lyrisch umreißt die Autorin schon auf Seite drei eines jeden ihrer Stücke die Handlung samt Charakteren, und ab hier sorgen sich pragmatische Theatermenschen, wie wohl eine Inszenierung dieser Autorin gerecht werden kann.
Anja Hillings Stücke erzählen von Liebe, einer Suche und Sucht nach Gefühlen, der Sehnsucht nach einem bewussten, sinnlichen Leben – das dem Städter ihrer Generation so wichtig wie utopisch scheint. Ihr Ausdruck und ihre Sprache sind unverwechselbar in der deutschen Dramatik. Es ist eine poetische, luftig scheinende Sprache, die an Lieder wie Popsongs erinnert, mal flott, dann wieder unvergänglich wirkt, lapidar und scharf und mitunter gewaltvoll daher kommt. Wie ein Song, ein Schlager manchmal mehr Empathie vermitteln kann als manche philosophische, soziologische Abhandlung, wenn man nur offen und durchlässig genug ist, ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Andreas Beck
Anna Jablonskajas «Familienszenen» handeln vom Krieg. Vom Kriegsheimkehrer Nikolaj, der als Offizier fünf Jahre an verschiedenen Krisenschauplätzen im Einsatz war und nun mit einem posttraumatischen Stresssyndrom in den Schoß der Familie, zu seiner Frau Irina und Sohn Wanja, zurückkehrt – Familienszenen.
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Ihre Mutter beginnt zu trinken, und bald wird sie auch von ihren Kindern verlassen. Maria und Jesus Maria landen in einem kuriosen Umfeld als Nachbarn von Madame Bonafide, einer transsexuellen Wahrsagerin, und dem alternden...
