Umblättern im Reclam-Heft
Das «M» von «Maria Stuart» hängt auf dem Titelblatt des Programmheftes wie abgehackt. Das ist aber auch schon der einzige Gag, den sich das Nürnberger Theater leistet, wenn es an Schillers tragischen Damen-Machtkampf geht: Stefan Otteni nämlich hat eine so strikte, ehrfurchtsvolle, letztlich uninspirierte und zähe Inszenierung abgeliefert, dass einem der typografische Ausrutscher schon fast wie eine kleine diabolische Spitze der Dramaturgie erscheinen mag: das schiefe «M» zum allzu gradlinigen Abgang.
Und hätte Otteni nicht seinen Bühnenbildner Peter Scior gehabt, die Unternehmung wäre in der Belanglosigkeit versandet. So aber gibt es zumindest im ersten Teil visuell noch eine spannende Überlagerung der Ereignisse und Gefühlswelten: Der Kerker der Maria Stuart ist ein Glaskasten; auf dem stehen die Verhandler ihres Schicksals. Alles liegt offen: das Leiden der schottischen Königin im Verlies ebenso wie die Beweggründe ihrer Widersacher und Anhänger oben. Und einmal windet sich Elizabeth auf dem gläsernen Boden, mit dem Gesicht nach unten, wo ihre Cousine kauert.
Eine für beide unerklärliche Nähe ist da plötzlich, eine spürbare Abhängigkeit, vor allem: die kurze Chance des ...
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