Politik im Liegen
Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul McCartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien singen, tanzen und manchmal auch etwas sprechen. Weiter erstaunlich: Die Kritik, die bislang das Wort Musical meistens als Menetekel des Niedergangs begriffen hat, zweifelt diesen Boom nicht mehr grundsätzlich an. Im Gegenteil.
«Fela!» stiftete die Schauspielkritiker zuerst in New York, dann in London zu betont lockeren Betrachtungen an. Die vor allem getanzte Geschichte über den 1997 verstorbenen Afrobeat-Erfinder Fela Kuti ließ die Stifte geradezu wackeln. Bei der Kanadierin Peaches, der Geschlechterbeauftragten der elektronischen Musik, hörte man nach «Peaches does Herself» zwar auch Misstöne im Expertenchor. Dafür sang für einmal selbst die «Bild»-Zeitung mit, die den kurzen Weg vom Springer-Haus zum Hebbel am Ufer in Berlin sonst eher meidet. Wo Peaches seit zehn Jahren das Projekt Post-Pornografie durch den ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Musicals, Seite 44
von Tobi Müller
Dass Theodor W. Adorno den Jazz geringgeschätzt hat, ist verbürgt. Jazzorchester erinnerten den Philosophen an Militärkapellen. Der Dramatiker Thomas Melle bastelt aus der kulturgeschichtlichen Petitesse eine Mini-Farce. Ein deutsches Paar in Israel: Während sie mit dem Kellner flirtet, widert ihn das bevorstehende Jazzkonzert schon beim Frühstück an. Obwohl er...
André Müller hat seine Gespräche mit Künstlern oder Theaterleuten nie autorisieren lassen. Gegenlesen gab es nicht, man musste ihm schon vertrauen. Aber das war meist kein Problem, weil Vertrauenschaffen die Grundbedingung war für seine Art des Gedanken-austauschs, der weiter ging als jedes übliche Verlautbarungsgerede. «André Müller geht gleich ganz in die...
Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil...
