Berlin: Große Erwartungen

René Pollesch «Glaube an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt» (U)

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Die heimlichen Helden des Abends sind die Saaldiener und -dienerinnen. Denn egal, was an diesem Abend auf der Bühne passiert, stets sind sie bereit, unerschrocken in den Zuschauerraum zu stürzen und ungehorsame Gäste zu ermahnen. Also die, die trotz ausdrücklichem Fotoverbot ihr Handy zücken. Schweigsam halten die fleißigen Helfer dann Tablets hoch, auf denen ein durchkreuztes Kamerasymbol aufleuchtet. Aufs Smartphone bannen darf das geneigte Publikum nämlich lediglich das «Verbeugungsfinale», wie laut und deutlich vor Beginn der Aufführung mitgeteilt wurde.

 

Schließlich herrscht hier nicht die milde Anarchie irgendeiner Hauptstadtbühne, sondern man befindet sich im geordneten Raum des Fried­richstadtpalasts, wo seit Jahrzehnten gut organisiert Tanzbeine geschwungen und schöne Körper ausgestellt werden. Es gibt Begrüßungssekt, und im Foyer steht ein teures Auto, dessen Hersteller den Revuetempel sponsert. Der gewährt dieses Mal statt Busladungen von Touristen, Mas­sen an lokalen Hipstern, Kulturintellektuellen und ein paar fernsehbekannten Promis Einlass. Geladen hat René Pollesch, der im unbehausten Zustand ja gerne mal auf unerwartete Orte ausweicht. Immerhin ist der Palast nur ...

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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Kristin Becker

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