Das Monster wird menschlich
Tim Staffel schreibt Richard neu.» Das ist eine seltsam klingende Notiz. Die ersten Reaktionen darauf waren freundliches Unverständnis und eine klärende Nachfrage, ob es sich nicht doch nur um eine weitere Neu-Übersetzung handelte. «Nein», antworteten wir wahrheitsgemäß, «ein neues Stück. Endlich ein ganz neuer Richard.»
Wie schon in seinen früheren Stücken «Jeanne» oder «Schloss» eignet sich Tim Staffel einen Stoff der literarischen Tradition ganz an, formt ihn um, modernisiert ihn, verschiebt Schwerpunkte.
Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein eigenständiges Stück (Theater)Literatur, das durch seine kraftvolle Sprache lebendig wird. Das Bekannte bleibt kenntlich, aber man kann sich nicht dem wohligen Wieder-Erkennen des Gewohnten hingeben. Staffel verlegt die Geschichte aus dem 15. Jahrhundert in eine uns bekannte Gegenwart, er arbeitet den Menschen Richard hinter den Bildern heraus, die ihn seit fast 400 Jahren verstecken.
Die literarische Vorstellung vom letzten York-König sei kurz skizziert und bewertet: Richard York, Herzog von Gloucester, Soldat und Feldherr, Bruder Edwards IV., später König Richard III. In der Tradition nach Shakespeare ist er das Böse schlechthin. Ein ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 163
von Marcel Klett
Eines Tages hatte Gott Lust auf ein Festspiel. Es sollte etwas sehr Üppiges sein mit vielen Königen, Engeln, Hirten, Schafen und einer Sturzgeburt in einem Stall. Doch als er alle möglichen Tier- und Menschendarsteller zusammengetrommelt hatte, wollten die Engel gar keine Engel sein, sondern sagten immer: «Gelobt sei der Herr: Ficken ist geil!», und Maria sang:...
Wenn Kunstbanausen, Finanzpolitiker und Wirtschaftszeitungen über das Theater sprechen, dann hört sich das häufig so an, als beginne hinter dem Kartenabreißer eine kapitalismusfreie Zone. Aufzuzählen, wie viele Euro Steuergelder unter jedem Theatersessel kleben, gilt dann als Spitzen-Bonmot, um mit der Behauptung vermeintlicher Verschwendung den Populismus zu...
Mein bester Thomas, ich sende dir Grüße. Hier gehen die Dinge ihren gewohnten Gang. Bombenterror herrscht, und das schon bald vier Jahre. Oder noch länger. Kommt darauf an, ab wann man zu zählen beginnt. Wahrscheinlich hat das gar nie aufgehört. Also auch nie angefangen. Keine Ahnung, was ich dagegen tun kann. Und deshalb bleibe ich zu Hause. Wir haben uns nett...
