Souveräner Potenzverschleiss
Der raumhohe Kupferkasten, den Johannes Schütz an die Bühnenrampe des Düsseldorfer Schauspielhauses gerückt hat, ist kein Ort für die Liebe als barocke Sinnenlust. Herzog Orsino (Guntram Brattia) krempelt sich die Ärmel hoch, macht sich an die Schwarzarbeit und streicht die spiegelblanken Flächen. Während eine Blackbox entsteht, dunkelt auch der Zuschauersaal allmählich ein. Es wäre wert zu untersuchen, inwiefern Jürgen Gosch und sein Ausstatter Johannes Schütz sich an der Bildenden Kunst orientieren.
Wenn das schimmernde Metall sich mit Schlieren überzieht, übermalt scheint, Struktur ent-steht und eine andere Farbigkeit, darf man an Cy Twombly denken, an Pollock oder an Beuys’ Installation des «Palazzo Reale» in der nahegelegenen Kunstsammlung NRW.
Jürgen Gosch lässt sich für «Was ihr wollt» alle Zeit der Welt. Schlendert durch das Stück, rastet, schaut sich aufmerksam um. Absichtslos. Ziellos. Aber enorm sicher im Führen, im Halten, im Lassen. Und mit Goetheschem Blick für die Phänomene, nachspürend der Natur des Menschen, seinem kuriosen Wesen, seinen Eskapaden, Katastrophen, vergeblichen Anstrengungen. Sehr unaufwändig kommen einfache Mittel ins Spiel, nach der Ursuppe aus Blut ...
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In der Hölle liegt das wahre Paradies; auf Erden und im Himmel herrscht eine verdruckst spießige Erotik: Hans Neuenfels schändet Richard Wagners «Tannhäuser». Aber ganz leichthin, von oben herab, fast mit einem Achselzucken nimmt er die Trümmer der Grand Opéra, des Erzromantischen und der hehren Ideale auf die leichte Schulter.
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