Der Starke pflanzt sich fort
«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen Vorstellungen von echter, testosterongetriebener Männlichkeit im schlechten Viertel nachzugehen. Einst Legionär, jetzt Auftragskiller. Vater Fabian hat ihn zum Familiengespräch gebeten.
Es geht ums Erben, und der Patriarch hat erwartungsgemäß entschieden: Ingo kriegt alles und Raul den Pfifferling, den er seinem Vater nicht wert ist ...
Die Guten und die Schlechten, Vernunft und Trieb, V-Ausschnitt und Proll-Sonnenbrille: In sauber getrennten Welten beginnt Rebekka Kricheldorfs schwarze Wohnzimmer-Parabel, um sich die nächsten hundert Minuten in flotten Blankversen krachend komisch und alle political correctness sorglos vermeidend der Auflösung und Verwirrung jeder sauberen Zuordnung zu widmen. Shirin Khodadadian hat sich im tif des Staatstheaters Kassel von Ulrike Obermüller das Eichenfurnierwohnzimmer in einen barocken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Barbara Burckhardt
Franz Wille Als ich Claudia Nola, die Leiterin der Presseabteilung am Gorki Theater, nach einem Gesprächstermin mit Ihnen gebeten habe, meinte sie, ja, kein Problem, aber nur mit Armin Petras.
Armin Petras Klar, Gespräch jederzeit gerne. Aber hier sitzt nicht Fritz Kater, sondern Armin Petras.
FW Stehen Sie mit Fritz Kater in engerem Kontakt?
Petras Ja, doch.
FW...
Prächtige barocke Giebelhäuser, die in ihren Bogengängen teure Läden beherbergen und ganzjährig Weihnachtsmarktatmosphäre ausstrahlen, Schwärme von Radfahrern auf mittelalterlichem Kopfsteinpflaster, junge Menschen, sogar zahlreiche Kinder, die sich im Sommer auf den grünen Stadtringen tummeln. So viel heitere und heile Welt findet man selten. Die Kriterien, die...
Wenn alle Schlachten zwischen Mensch und Welt geschlagen sind, dann enden große Erzählungen gern jenseits von Raum und Zeit: im Hinterzimmer des Bewusstseins. So war das in Stanley Kubricks «2001: A Space Odyssey» oder in David Lynchs «Twin Peaks» oder letztens in Sebastian Hartmanns Tolstoi-Adaption «Krieg und Frieden» (s. TH 11/2012), als man mit flimmernden...
