Das winzige Stückchen Punk
Nachmittagsvorstellung an einem Sonntag im Januar, volles Haus, das Schweizer Fernsehen ist auch da und filmt für irgendeine Kultursendung. In der Pause fragt das blonde Garderobenfräulein: «Und? Finden Sie das jetzt auch obszön? Also, ich habs ja noch nicht gesehen, aber viele Leute sagen, das wäre total obszön!» Hm. Nach der Pause sind die drei alten Damen aus der hinteren Reihe verschwunden.
Und alles nur wegen ein paar unschuldiger Spargel aus dem Glas!
Natürlich ist klar, wofür die Spargel stehen, aber erstens sind die Spargel schon das Gewagteste in der ganzen «Dreigroschenoper», und zweitens sind sie, wie Spargel aus dem Glas das halt immer sind, sowieso nur schlapp und alles andere als unanständig. Sonst wären sicher auch nicht so viele Kinder in der Vorstellung. Die Kinder finden nämlich die Musik total klasse, verstehen aber sonst nicht viel. Im Gegensatz zu den alten Damen, aber die sollten ihren Brecht ja eigentlich kennen. Die Spargel stehen durchaus auch ein bisschen stellvertretend für die untergehenden Männer – den Frauen, besonders Polly Peachum und Lucy Brown, geht’s nämlich am Ende ziemlich gut.
Mackie Messer (Klaus Brömmelmeier) ist eine Mischung zwischen Alex ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der sonst so coole David Mamet war in seinem Nachruf in der «New York Times» mehr als bewegt. Vor zwanzig Jahren sei er Miller nach einer Vorstellung mit Dustin Hoffman in «Tod eines Handlungsreisenden» begegnet und habe ihm gestanden, die Szene zwischen Biff und Willy sei ihm vorgekommen wie ein Dialog mit seinem Vater. Nicht sehr originell, das Kompliment, und...
Kommissar Schneider ermittelt. Aber was klärt er auf? Nichts. Verwirrung, Dimensionsverschiebung ist das Ziel. Helge Schneiders Krimis sind keine Whodunits, sondern Dschungelbücher, semantische Irrgärten aus der zur Banalität befreiten Phantasie.
Hatte Helge Schneiders verwirrtes Musical «Mendy, das Wusical» noch so etwas wie eine Handlung, wenn auch keinen...
Dass Jon Fosse, der Caspar David Friedrich der Konfliktvermeidung, irgendwann den jugendlichen Übungsraum als Ort für seine introvertierten Stimmungslandschaften entdecken musste, war naheliegend. Denn in den teppichverhängten, stinkenden Kellern und Bunkerräumen mischen sich Genialitätsträume und Ängste im Rahmen der Selbstfindung, vorlauter Narzissmus und...
