Manja Kuhl als Johanna; Foto: Julian Marbach/Theater Stuttgart
Stuttgart: #theytoo
In Zeiten wie diesen wäre sie eigentlich das perfekte Postergirl, diese französische Superheldin des späten Mittelalters: Jeanne d’Arc, die schwertschwingende Jungfrau von Orléans. Sie würde all den Weinsteins dieser Welt zeigen, wo die Harke hängt. Ihre Waffe wäre ein Twitteraccount. Ihr Hashtag: #MeToo oder #BalanceTonPorc. Ihre Botschaft: Zieht die Schwänze ein. Als Frau, die sich durch eine Männerwelt schlägt, hat Jeanne d’Arc seit Jahrhunderten fasziniert, irritiert, zu romantischen und kruden Gedanken angeregt.
Und doch wollen sich all diese Lesarten in Stuttgart nicht so richtig einstellen. Fast scheint es, als seien die Macherinnen um Manja Kuhl und Sabina Schrey bei ihrem Projekt «Johanna» von der Realität überholt worden, die sich nicht nur im Netz Gehör verschafft hat, sondern lawinenartig durch die Welt rollt und immer noch neue Fälle ans Licht bringt. Auch wenn mögliche Bezüge sich mehr als aufdrängen, die Performerinnen im «Nordlabor», der alternativen Außenspielstätte des Schauspiels, entziehen sich dem Offensichtlichen.
«Polyphoner Prozess nach Schillers ‹Die Jungfrau von Orleans›» haben sie ihren kurzen Abend im Untertitel genannt. Johanna hat Stimmen gehört, ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Kristin Becker
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