Pietismus im Hypnose-Modus
Der ideelle Gesamtschwabe arbeitet gerne und viel, betet fromm und pflegt einen Drang zum Höheren. Da er dieses Höhere aber gut radikalprotestantisch in der innerweltlichen Pflichterfüllung sieht, geht das alles gut zusammen, und er arbeitet sich in spiritueller Fröhlichkeit den Arsch ab. Für diesen Zusammenhang aus Arbeit und Spiritualität, ja aus stumpfer, entmenschter Funktionalität und tief empfundener Hochstimmung wählt Autor/Regisseur Ulrich Rasche in seinem Stück «Kirchenlieder – ein Chorprojekt» das Bild des singenden, schreitenden Kollektivs.
Ähnlich ist er bereits bei seiner letzten Arbeit vorgegangen, «Singing! Immateriell Arbeiten», die im Oktober 2004 im Palast der Republik Premiere hatte. Damals schritten die 40 Sänger und 20 Sprechdarsteller die den Palast in seiner ganzen Tiefe durchmessende Bühne ab und sangen und skandierten Arbeiterlieder und Texte von u.a. Maurizio Lazzerato, dem Theoretiker der immateriellen Arbeit.
Diesmal schritt ein ähnlich starkes Ensemble aus Sprechern und Sängern in verschieden schnell bewegten, einander überholenden und überlagernden oder sich entgegenkommenden Kreisen immer rund um die sich sanft drehende Bühne des Schauspiels ...
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