Warum wir kämpfen
In keiner Stadt ist der Sommer so anstrengend wie in New York, und in keiner ist er so schön. Auch der diesjährige bildete keine Ausnahme. Biblische Beton-Hitzewellen wurden regelmäßig von verschwenderisch lauen Abenden abgelöst, mit fest im Stadtbewusstsein verankerten Ritualen. Schulter an Schulter picknickte man beim Klassikerkino im Bryant Park, tanzte auf den Chelsea Piers und schaute sich Opern und Konzerte unter freiem Himmel an.
Doch das ultimative Sommerritual hieß auch dieses Jahr «Shakespeare in the Park», das vom Public Theater auf die Beine gestellte Freiluft-Festival im Central Park, schon seit langem ein fester Bestandteil der Mythologie Manhattans.
Die diesjährige Saison unter dem reißerisch abgewandelten Slogan «Krieg im Park» eröffnete mit einer klassischen «Macbeth»-Inszenierung mit Liev Schreiber in der Titelrolle, Indie-Film-Darling und ein großer Name in der ominösen angelsächsischen Bühnenkategorie des «Shakespeare-Schauspielers». Dem Thema des Sommers gemäß kam «Macbeth» gutmenschlerisch daher voller Anspielungen auf MacBush und seinen Anti-Terror-Krieg. Zwar zeigte sich, dass jambische Pentameter nur begrenzt als Mittel politischer Kritik taugen. Doch der ...
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Was von diesem Abend hängenbleiben wird, ist zweifellos das Geschlechtsteil von Lars Eidinger. Kurz nachdem die Party, die die Choreografin Constanza Macras und der Regisseur Thomas Ostermeier unter dem Shakespeare-Motto «Sommernachtstraum» an der Schaubühne ausgerichtet haben, mit großem Begrüßungshallo, Punschausschank und Dancefloorbeat begonnen hat, schlüpft es...
Mit Sicherheit hatte der Autor Spaß an dieser Arbeit. Der Mann, der dem deutschen Gegenwartstheater Heldennamen wie Faustersterteil oder Hänselundgretel geschenkt hat, tobt sich diesmal in der Moskauer Unterwelt aus und kreiert einen Don Sinatra, swingliebender Pate, Boris Besorgowitsch, seine rechte Hand, Silikona Silikonowitsch, die synthetisch aufgepeppte siebte...
Büchners «Woyzeck», so will es die Sagenschreibung, soll bereits für den Teenager Neil LaBute von immenser Bedeutung gewesen sein. So sehr, dass LaBute schon sehr jung – jünger als Büchner selbst war, als er sich den «Woyzeck» 23-jährig von der Seele schrieb – den Stoff ins Amerikanische übersetzt haben soll. Und dann, als LaBute viel später einmal als großer...
