Der Pfahl in Draculas Brust

Über den Licht- und Schattenkünstler Torsten König und die Musik-gesamtkünstlerin Patricia Kopatchinskaja

Theater heute - Logo

Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig. Später hat man dann gemerkt, wie er alles durchleuchtet hat. Er war nicht nur Licht-, sondern Licht- und Schattenkünstler. Er hat die Schatten gestaltet und dem Licht Charakter gegeben.

Da war kein dunkles Schattenreich, vor dem sich die meisten fürchten, da war Farbe und Leben in diesem Reich der Metamorphosen. Er hat mit den Schatten die Schauspieler in Fabelwesen und Insekten verwandelt. Er hat sich den unmöglichsten Bühnensituationen gestellt. Flächen und Räume mit unberechenbaren Reflexionen, offen, versperrt oder bewegt. Aber gerade diese Schwierigkeiten bei der Beschaffenheit des Bühnenbildes birgt ungeahnte Schönheiten, und die hat Torsten provoziert.

Dann das farbige Licht. So verpönt! Er hat kräftig in den Farbtopf gegriffen und wurde belohnt. Farbe war für uns Entscheidung und Bekenntnis. Für die meisten war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 58
von Herbert Fritsch

Weitere Beiträge
Agenten für Diversität

Theater heute Das Schöne am Stadttheater ist, dass es sich zumindest künstlerisch permanent verändern kann. Alle fünf oder zehn Jahre kommt – falls die Kulturpolitik nicht furchtsam oder bequem ist – eine neue Leitung, die für sich neu definieren kann, wozu das Theater da ist und wie es sich im Umfeld von Stadt und Gesellschaft positioniert. Dabei gibt es klare...

Opfergruppe Weiß

So muss sich das Warten auf’s Schafott anfühlen. Drei Mitarbeiter*innen eines international agierenden Magazins sitzen beisammen und warten auf ihr Urteil. Was geschehen ist? Zur Feier des Black-Achievement-Monats hat Lesley für das Cover der Zeitschrift das Bild einer schwarzen Frau gezeichnet, in «ihrem eige­nen Stil». Sie selbst nennt es eine Ode an dieselbe,...

Ein echter Daniel Schmid

Beim Atelier-Rundgang der Berliner Univer­sität der Künste 2014 stand da ein ominöser schwarzer Kubus mit zwei grünen Knöpfen. Das Betätigen des einen Knopfes generierte eine neue, scheinbar willkürliche Zahl auf dem Display. Beim Betätigen des anderen Knopfes wurde ebendiese Zahl auf einen weißen Sticker gedruckt.

Die Leute drückten so lange auf den Knöpfen...