Affentheater
Das Leben ist ein Hamsterrad. Und wer nicht in Tritt und Übung bleibt, den haut es aus der Kurve. Das weiß Jonathan Jeremiah Peachum, Bettlerkönig von London, der im Stuttgarter Schauspiel in einem überdimensionalen Hamsterrad seine Runden dreht. Schließlich ist der Mann ein arrivierter Businessman, der als Geschäftsmodell den Pöbel der Hauptstadt dirigiert. Und weil es um die Analogie des emsigen Tierchens geht, kommt dieser Peachum (Rainer Philippi) in braunem Cord, mit Zottelhaar und dem Blick eines Nagers daher. Möhren sind natürlich sein bevorzugtes Genussmittel.
Auch Mackie Messer (Johann Jürgens), seines Zeichens Obergangster und unerwünschter Schwiegersohn von Herrn Peachum, erinnert an die Tierwelt: Sein bürstiger Haarschnitt lässt Igelassoziationen aufkommen, das Auftreten orientiert sich an dem eines brünstigen Jungbullen, und wenn er im Gefängnis an der Leine liegt, ist auch der Kettenhund nicht weit.
Sebastian Baumgarten hat jedenfalls, so möchte man glauben, ein Herz für Tiere. An den Anfang seiner Inszenierung der «Dreigroschenoper» stellt er denn auch keine Menschen, sondern drei Affen in Anzug, Arztkittel und Uniform, die – aus einer fernen Zeit zugeschaltet – ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Stuttgart, Seite 68
von Kristin Becker
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