Die innere Stasi
Wer 23 Jahre nach dem Mauerfall immer noch missmutig in west-östlichen Differenzen herumstochert, könnte als Lockerungsübung den Dresdner Theaterabend «Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz» buchen. Denn der gemeine Sachse, legt diese dramatische Studie des Dänen Christian Lollike titelkonform nahe, laboriert an ganz ähnlichen Problemen wie seine Kollegen in Bayern, Niedersachsen und mutmaßlich auch in Kopenhagen oder Paris.
Zur Stichhaltigkeit des Befundes lässt sich immerhin anmerken, dass Lollike – der Bundeskulturstiftungsfonds «Wanderlust» macht’s möglich – auf Einladung des Staatsschauspiels einige Zeit in Dresden verbrachte und dort augenscheinlich zu produktiver Höchstform auflief: Ein zweites unter dem sächsischen Metropolen-Eindruck entstandenes (und dem Vernehmen nach tatsächlich lokalspezifischeres) Lollike-Stück präsentiert das Theater demnächst in szenischer Lesung.
«Das normale Leben» indes wird seinem gediegene Allgemeingültigkeitstitel auch insofern gerecht, als die modellhaft A, B und C genannten Figuren durchweg an Herausforderungen scheitern, an denen bereits einige dramatische Kameraden vor ihnen (und teilweise, zum Beispiel bei René Pollesch, auch ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl
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