Schmoren in der Jauchegrube
Zu dritt warten wir auf den Einlass zur Hölle. Die Hölle, das ist beim dänischen Performancekollektiv Signa eine Mischung aus Dante Alighieris infernalischer Systematik, die das historische und mythologische Weltwissen seiner Zeit widerspiegelt, und einem Themennachtclub, den ein gewisser Herbert Godeux im Gedenken an seine Frau Mama errichtet hat.
Vor allem aber versucht «Club Inferno» gemeinsam mit zahlreichen professionellen und Laiendarstellern eine Parallelwelt auf Zeit zu errichten, deren Reiz darin besteht, dass die Besucher das ihr zugrunde liegende Regelwerk, ihre Zusammenhänge und Vorgeschichten erst dann dechiffrieren können, wenn sie Erfahrungen in ihr machen.
Roberto und Thomas, meinen beiden Mitstreitern im Vorhof zur Hölle, steht die Lust (oder Notwendigkeit), Erfahrungen zu machen, etwas zu penetrant ins Gesicht geschrieben. Ob sie Signas Theater, in dem Macht fast immer auch durch das Thema Sex verhandelt wird, mit einem Swinger-Club verwechseln? Ich bin jedenfalls froh, als die ersten leicht bekleideten Inferno-Girls Aufmerksamkeit von mir abziehen. Jedes Mal, wenn ich in den nächsten Stunden Thomas mit einem anderen halbnackten Mädchen im Arm sehe, frage ich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Jetzt hat auch Carmen-Maja Antoni, die schon als Pionier des DDR-Kinderfernsehens ein Star war und heute nicht nur als Hotti Krauses Schwester Elsa das Fernsehpublikum, sondern als Brecht-Interpretin auch die Theaterzuschauer mitten ins Herz zu treffen versteht, ein Buch geschrieben: «Im Leben gibt es keine Proben», das sie der Journalistin Brigitte Biermann in die...
Eher selten findet man heute diese Art dazustehen. Es gibt sie auch nur bei Frauen. Die Füße sind weit voneinander entfernt, die Beine steigen parallel vom Boden auf – obwohl sie doch schräg zusammenlaufen müssten, um in der Hüfte gemeinsam anzukommen. Es ist ein anatomisches Wunder. Walt Disney hat Minnie Mouse eine Weile so gezeichnet.
Wenn Frauen so dastehen,...
Das Gerücht, das Theatertreffen habe sich in den letzten zehn Jahren grundstürzend geöffnet, hält sich hartnäckig. Es habe neuen Inhalten, veränderten Theaterformen oder innovativen ästhetischen Paradigmen den Weg wenn nicht bereitet, so doch geebnet. Stimmt schon, 2002 war zum ersten Mal René Pollesch eingeladen, im selben Jahr hat sich auch Meg Stuart mit ihrer...
