Missbrauchte Floskeln

Händl Klaus «Gabe/Gift»

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Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist hier keine Antwort, sondern die Fortspinnung eines Satzteils mit umgebogenem oder gegensätzlichem Sinn. Mutter Lore: «Wehr dich» / Sohn Bert: «nicht» / Vater Otto: «da ich dich liebe. Es ist wahr.

» Eine streng sequenzierte Sprachmusik, Klangfarbenmelodie statt propositionaler Mitteilung.

Das ist dennoch keine absolute Musik. Es gibt noch etwas, das bezeichnet wird: Eine Geschichte wird erzählt, aber völlig verrätselt. Eine Kriminalgeschichte mit losen Handlungsfäden. Bedeutungsschwer, bedeutungsleer, polysemantisch. Eine Polizistenfamilie baut einen Kellerraum zum «Erfrischungsraum» um. Dabei werden inzestuöse Verwicklungen und Mordpläne angedeutet, doch alle Konfliktspuren werden sofort wieder verwischt. Der Mann eines zufällig vorbeikommenden Paares entpuppt sich auch als Polizist, sie haben eine Schatzkarte dabei, und ...

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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Gerhard Preußer

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