Irrtümer der Geschichte
Allzu großes Vertrauen in die allgemeine Menschennatur wird Gorki nach «Die Letzten» niemand vorwerfen. Er hatte während des Schreibens 1907 im Exil auf Capri auch wenig Grund dazu. Die russische Revolution war erst einmal gescheitert, eine Rückkehr nach Russland auf Jahre unmöglich. Stattdessen stritt er sich mit Lenin über die richtige Strategie zur großen Veränderung.
Der Titel ist wörtlich zu verstehen. Die Letzten, eine heruntergekommene Adelsfamilie,
zeigen das Politische privat: allseits gründlich zerrüttet.
Der Vater Iwan Kolomizew, ein korrupter Kreispolizeichef, der wegen seiner selbst für zaristische Verhältnisse ungewöhnlichen Brutalität abgesetzt worden ist, kann sich deshalb ganz auf seine Aufgabe als Familientyrann konzentrieren. Er drangsaliert seine unterschiedlich missratenen fünf Kinder, jongliert mit Bestechungsgeldern, badet in Selbstmitleid, platzt vor Menschenverachtung. Alkohol und Frauengeschichten runden das Charakterporträt ab. Seine Gattin Sofia hasst ihn hilflos, ist aber wegen ihres 20 Jahre zurückliegenden Seitensprungs mit Schwager Jakow moralisch erpressbar. Der wiederum, die einzig anwesende Seele von Mensch, liegt todkrank auf dem Divan und ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Ich hatte Angst vor dem amerikanischen Touristen-Syndrom: Wenn heute Dienstag ist, dann muss dies Stuttgart sein.» So spitzt der englische International Policy Reseacher Ivor Davies, einer von zwanzig Teilnehmern, die die European Theatre Convention (ETC) zu ihrer «Spring Theatre Tour 2013» eingeladen hatte, seine Befürchtungen vor der Reise zu: Der ambitionierte...
Mit dem Vater ging ich zum Flugtag auf der Vahrenwalder Heide, dem alten hannoverschen Flughafen. Vielleicht noch Ernst Udet, sicher aber die aus Hannover stammende Fliegerin Elly Beinhorn zeigten ihre Luft-Kunststücke. Mein Vater kaufte mir einen Luftballon samt einer dranzubindenden Karte, die er mit meiner Adresse versah. Denen, deren Karten am weitesten flogen...
Die junge Frau blickt streng, als sei sie von der Ausländerbehörde. Dann fragt sie, ob man schon mal im Irak gewesen sei und als Journalist Informationen über das Land gesammelt habe. Etwas später drückt Urok Shirjan einen Stempel in einen Pass, und schon nimmt man als Mitglied von «Occupy Baghdad» teil an der künstlerischen und zivilgesellschaftlichen...
