Auf Umwegen ins Ziel
Zu Peer Gynt, hier entlang. Also gut. Machen wir es wie der Titelheld. Nehmen wir den Umweg. Peers Selbstfindungstrip führt von Solveig über Marokko und die halbe Welt zurück zu Solveig. Uns Zuschauer leitet ein Schilderparcours hinter die Große Bühne, hinein in den Basler Theaterbauch, mitten in Peer Gynts Industrieheimat. Dort, im Blaumannland, wo ein Gasrohr wie ein Minarett gen Himmel sticht (Bühne Maria-Alice Bahra), knechten Ibsens Dorfbewohner, eine verzerrte Muezzinstimme ruft per Lautsprecher zum Schichtwechsel. Alle sind Arbeitsbienen. Nur einer nicht. Peer Gynt.
Der hoppelt herbei, ein Ritter in Papprüstung auf eingebildetem Streitross, ein Rotzbengel im Körper eines 20-Jährigen. Haltung schlaff, Wampe beträchtlich, Charisma null, Sex-Appeal dito. Mit dem Mut zur Witzfigur verscheucht Aljoscha Stadelmann sämtliche Naturburschenklischees gleich im ersten Auftritt. Das ist kein Peer Gynt, der im Geiste mit den Adlern fliegt. Ein Maulheld, ja, aber einer mit Stummelzähnen. Ein Träumer, vielleicht, aber seine Träume klingen arm und vernuschelt. Und die hoffnungslos überforderte Mama Aase klemmt das fettige Haar hinters Ohr und sitzt das Leben in der ...
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Das Meer ist unergründlich und endlos weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theaterstück «Sommertag». Auf drei dominanten Prospekten hat Monika Gora (Bühne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der...
Der israelische Künstler Absalon war ein Architekt der Isolation. Seine penibel weißen «Zellen» besaßen Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Mini-Küche, Hock-Klo und Neon-Licht, und wenn es ein Fenster gab, dann nur als Schlitz. Ob die Abschottung in diesen bewohnbaren Monaden erzwungen oder freiwillig sein sollte, Mönchsklause oder Isolationshaft, ließ Absalon offen....
Schon wieder ein Buch, das töten kann. Es ist 735 Seiten dick (siebenhundertfünfunddreißig). Es heißt «Neunzehnsechsundneunzig bis Zweitausendundsechs», schlichtes Schwarz auf schlichtem Weiß. Todesanzeige. Nahkampftauglich für Freunde des Hammerwerfens. Es umfasst die zehn Jahre, die Intendant Michael Schindhelm auch im Theater Basel weilte. Oper, Tanz,...
